© Peter Kneffel

Neustart für Neuer und Müller nach WM-Debakel

Rottach-Egern (dpa) – Bei Manuel Neuer und Thomas Müller stehen alle Zeichen auf Neustart. Fünf Wochen nach dem WM-Debakel ist die große DFB-Enttäuschung für die beiden Weltmeister von 2014 noch lange nicht abgehakt, aber der Fokus auf die neuen Aufgaben mit dem FC Bayern und das Reset bei der Nationalmannschaft gerichtet. «Wenn man in eine neue Saison geht, schaue ich nicht zurück. Wir Menschen leben ja nach vorne», erklärte Müller am Freitagnachmittag im Garten des noblen Mannschaftshotel am Ufer des Tegernsees. «Du kannst dich ja nur für das pushen, was vor dir liegt.»

Natürlich hinterfrage sich jeder mehr, wenn man einen mitbekommen habe, als wenn man sich nach «Schulterklopfern eher in den Liegestuhl zurückfallen» lasse, sagte Müller im Trainingslager in Rottach-Egern.

Dort bereitet sich der deutsche Fußball-Rekordmeister auf eine Saison vor, in der er auch «in der Champions League so weit wie möglich kommen will», wie es Kapitän Neuer betonte. Der 32-Jährige und sein Stellvertreter Müller gehen in den ersten Tagen des Camps in der malerischen Bergwelt voran – und wollen auch beim Neuanfang unter Bundestrainer Joachim Löw mit die Richtung vorgeben. «Es wird Zeit, dass die Spiele losgehen, dass wir sportliche Themen haben, die die Nation bewegen», sagte Müller.

Los geht’s für die Münchner mit dem Supercup in einer Woche gegen Frankfurt, dann steht das Pokal-Erstundenmatch gegen Drochtersen/Assel in Niedersachsen an und eine weitere Woche später startet der Meister gegen Hoffenheim in die Liga-Saison. Der gestürzte Weltmeister Deutschland fängt am 6. September in München in der Nations League gegen den neuen Champion Frankreich an. Der 79-malige Nationalspieler Neuer will dann wieder eine Auswahl mit «einem Gesicht» und Spieler sehen, «die wirklich stolz sind für die Nationalmannschaft zu spielen und alles dafür geben».

Der mehrmalige Welttorhüter vermisste diese Tugenden anscheinend beim ernüchternden Auftritt in Russland – und auch nach Müllers Ansicht muss sich die Herangehensweise der Protagonisten ändern. «Für uns Spieler gilt auf alle Fälle, dass wir ein bisschen mehr dahin zurückkehren müssen, ein bisschen mehr zu dienen, zu funktionieren», sagte die Offensivkraft. Man dürfte sich nicht mit «Randerscheinungen» beschäftigen. «Wir brauchen einen klaren Gedanken, wie wir die Zukunft angehen wollen, und dem müssen wir unerbittlich folgen», sagte Müller.

Nachdem der 94-malige Nationalspieler im Urlaub Abstand vom «Wanderzirkus mit Ball» nehmen konnte, warnte Müller am Freitag vor den Folgen der Diskussion von Themen wie die Affäre um Mesut Özil oder Streitigkeiten in der Politik. «Wir schreiben genüsslich darüber und freuen uns, dass es Ärger gibt und breiten es aus. Und am Ende wundern wir uns, wenn die Gesellschaft gespaltet wird», sagte die Münchner Führungskraft.

Seit dem Donnerstag schwitzen die Münchner unter Neutrainer Niko Kovac endlich als komplette Mannschaft am Tegernsee. Unterbrochen wird die einwöchige Vorbereitungsetappe durch ein Testspiel an diesem Sonntag in München gegen Manchester United. Ob alle Spieler bis zum Ende des Trainingslagers dabei sind, scheint offen. Ein Wechsel von Arturo Vidal wird immer wahrscheinlicher, zuletzt wurde über den FC Barcelona als neuen Club spekuliert. Bei Jérôme Boateng soll es neben Paris Saint-Germain noch Manchester United als Interessenten geben.

Doch erst einmal schuften alle in der oberbayerischen Gemeinde. «Hier wird für jeden einzelnen jetzt der Grundstein gelegt, um wieder fit die neue Saison zu starten», sagte Neuer und hat immer noch an der WM-Blamage zu knabbern. «So was belastet einen, das ist ja ganz klar, das kann man nicht einfach wegwischen und sagen wir starten jetzt von Neuem.»

Müller klang da in der Aufarbeitung schon einen Schritt weiter, die WM-Enttäuschung sei «riesige Motivation» für ihn. «Der innerliche Drang ist, die Zukunft zu gestalten», sagte der WM-Torschützenkönig von 2010. «Das Problem ist, dass wir hier Anfang August stehen und das Entscheidende passiert im April und Mai. Ein langer Weg.»