Die Karriere des Oldenburger Basketball-Dauerbrenners Rickey Paulding wird bei einem Abschiedsspiel im Juni gewürdigt., © Stefan Puchner/dpa

Mit Fahne und Grünkohl: Legende Paulding verlässt Oldenburg

Die Fahne der EWE Baskets Oldenburg wird man in Kansas City demnächst öfters im Wind flattern sehen. Bislang hisste Rickey Paulding die Flagge des Basketball-Bundesligisten immer nur dann in seinem Garten, wenn er im Sommer in den USA war.

Jetzt, nach unglaublichen 15 Jahren in Oldenburg, kehrt die Baskets-Legende dauerhaft in seine Heimat zurück. Die EWE Baskets wird der 39-Jährige aber immer in seinem Herzen tragen.

«Es ist daher kein Tschüss, sondern auf jeden Fall ein bis bald», sagte Paulding der Deutschen Presse-Agentur vor seinem letzten Heimspiel an diesem Freitag (19.00 Uhr/Magentasport) gegen s.Oliver Würzburg. Am Sonntag steht dann noch das letzte Spiel seiner beeindruckenden Karriere in Ludwigsburg an. Am 4. Juni findet noch ein Abschiedsspiel bei Paulding in Oldenburg statt.

«Er steht für unsere Werte»

«Rickey Paulding ist entscheidend für die Identität des Clubs. Er steht für unsere Werte: Leidenschaft, Fleiß, Bodenständigkeit und Bescheidenheit», sagt Oldenburgs Geschäftsführer Hermann Schüller über den Amerikaner, der 2007 aus Frankreich nach Oldenburg kam. «Meine Familie und ich haben uns hier vom ersten Moment an sehr wohl gefühlt», sagte der dreifache Vater.

Dass er aber 15 Jahre lang in der Universitätsstadt an der Hunte bleiben würde, hätte Paulding damals auch nicht gedacht. «Nein, natürlich nicht», sagte Paulding, der mit seinen starken Leistungen auch immer wieder das Interesse anderer Clubs weckte. Doch weil sich die Familie in Niedersachsen so wohl fühlte, fiel die Entscheidung schließlich immer wieder auf die EWE Baskets, wo Paulding längst zu einer Legende geworden ist.

Auf dem Weg zur Heimstätte der Oldenburger, wo Paulding mit den EWE Baskets 2009 in einer spektakulären Finalserie gegen die Telekom Baskets Bonn die deutsche Meisterschaft gewann, wird man automatisch von Paulding begrüßt. Ein riesiges Graffiti, auf dem er seine Arme ausstreckt, prangt an einer Wand. «Pauldingburg» ist darauf in großen Buchstaben zu lesen. Es beschreibt die spezielle Beziehung zwischen ihm und dem Club am besten. «Das macht mich schon stolz», sagte Paulding, der fast 8000 Punkte für die Oldenburger erzielt hat und damit auch zu einem Gesicht der Liga geworden ist.

BBL-Boss Holz würdigt Paulding

«Er ist der Prototyp des Franchise Players. Es ist eine absolut ungewöhnliche Geschichte», sagte Stefan Holz, Geschäftsführer der Basketball-Bundesliga. «Er ist zwar immer noch leistungsfähig, aber alles hat seine Zeit. Es ist auch eine Kunst, im richtigen Moment aufzuhören», sagte Holz. «Das scheint ihm wie Per Günther zu gelingen.»

Wie Paulding wird auch Ex-Nationalspieler Günther seine Karriere nach dieser Spielzeit beenden. Der Point Guard hat sich mit ratiopharm Ulm aber noch für die Playoffs qualifiziert. In Alex King von den s.Oliver Würzburg hört ein weiteres Gesicht der Liga auf.

Auf 15 Jahre bei einem Club kann aber nur Paulding zurückblicken. Es dürfte daher sehr emotional werden, wenn der Publikumsliebling am Freitag letztmals zu einem offiziellen Spiel in die EWE Arena einlaufen wird. Seine Mutter und Schwiegermutter sind extra aus den USA gekommen, um bei diesem besonderen Moment dabei zu sein. «Das bedeutet mir viel. Meine Mutter hat dafür gesorgt, dass ich meinen Weg gehen konnte und hat mich in meiner Jugend immer aus prekären Situationen herausgehalten», sagte Paulding, der ohne Vater im nicht ganz einfachen Umfeld von Detroit aufgewachsen ist.

Nach der langen Zeit im Ausland freut sich Paulding daher vor allem darauf, in den USA wieder näher an seiner Familie zu sein. Doch auch von dort wird er den EWE Baskets verbunden bleiben. Über seine genaue Rolle in der Zukunft laufen aktuell noch Gespräche mit den Verantwortlichen des Clubs. Und neben der Fahne der Baskets wird ihn stets noch etwas anderes an Oldenburg erinnern: Grünkohl. «Ich esse ihn nicht jeden Tag, aber ich liebe ihn. So etwas haben wir nicht in den USA, deshalb werde ich ein paar Packungen mitnehmen.»