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Missbrauchsbeauftragter fordert mehr Engagement in Bayern

München (dpa/lby) – Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, hat die bayerische Staatsregierung zu mehr Engagement im Kampf gegen sexuellen Missbrauch aufgerufen. Der Freistaat müsse einen eigenen Landesbeauftragten für das Thema einsetzen, forderte Rörig im Sender Bayern 2 des Bayerischen Rundfunks.

Die Staatsregierung erklärte, die Zahl der Landesbeauftragten sei in Bayern gesetzlich auf sieben begrenzt – und ausgeschöpft. Der Schutz von Kindern habe aber im Freistaat höchsten Stellenwert. Vorrang habe die Prävention. In Bayern existiere ein Gesamtkonzept bis hin zur Fortbildung von Ärzten und ärztlichem Personal zur Früherkennung von Missbrauchsfällen. Dies mache den Freistaat bundesweit zum Vorreiter in Sachen Kinderschutz.

Rörig übte dagegen heftige Kritik auch an Bayern. «Es gibt halt viele Länder, die bisher keine Defizitanalysen durchgeführt haben, keine Personalbedarfsanalysen, die hoffen, dass sie genug getan haben und das reicht wirklich nicht aus», sagte Rörig. Allein in Bayern habe es 2018 rund 2000 Anzeigen wegen Kindesmissbrauchs gegeben.

Die bayerische Sozialministerin Kerstin Schreyer (CSU) habe ihm mitgeteilt, sie sehe fachlich keinen Anlass, in Bayern einen Missbrauchsbeauftragten einzusetzen. Er hoffe dennoch, dass die bayerischen Parteien im Landtag den Kampf gegen sexuelle Gewalt endlich in ihre Parteiprogramme aufnähmen. Er habe sich auch an den CSU-Generalsekretär gewandt, um eine bessere Programmatik der Partei im Kampf gegen sexuelle Gewalt zu diskutieren.