© Friso Gentsch

Missbrauch in der Kirche: Anzeige soll Ermittlungen anstoßen

Passau (dpa) – Strafanzeigen wegen der mehr als 3600 juristisch nicht aufgearbeiteten Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche beschäftigen Staatsanwaltschaften in ganz Deutschland. Sechs Juristen hatten vergangenen Freitag bei den Staatsanwaltschaften im Bezirk aller 27 katholischen Bistümer Anzeige gegen Unbekannt wegen sexuellen und schweren sexuellen Missbrauchs eingereicht.

Mit ihrer Anzeige haben die Juristen einen Stein ins Rollen gebracht, wie eine Nachfrage bei Staatsanwaltschaften ergeben hat. Die Anzeige werde derzeit geprüft, hieß es etwa von den Behörden in Freiburg, Osnabrück und Würzburg. In Köln und Regensburg waren die Staatsanwaltschaften nach eigenen Angaben unabhängig von der Anzeige bereits mit der Prüfung eines Anfangsverdachtes befasst.

Die Gruppe um den Passauer Strafrechtsprofessor Holm Putzke argumentiert, eine von der Bischofskonferenz in Auftrag gegebene Studie habe zureichende Anhaltspunkte für Straftaten geliefert. Es könnten sich wahrscheinlich zurück bis 1998 Fälle finden, die nicht verjährt seien, sagte Putzke. Nun sei es an den Staatsanwaltschaften, die Bistümer anzuschreiben und um Herausgabe der Akten zu bitten, die zwar in die Missbrauchsstudie eingeflossen sind, den Strafverfolgungsbehörden aber noch nicht zur Prüfung vorgelegen haben.

Weltweit steht die katholische Kirche wegen Missbrauchsskandalen in der Kritik. Für Deutschland hatte eine Studie im vergangenen Monat ergeben, dass zwischen 1946 und 2014 mindestens 1670 katholische Kleriker 3677 Minderjährige missbraucht haben sollen. Im Jahr 2010 hatten die katholischen Bischöfe bereits ihre Vorschriften im Zusammenhang mit möglichen Missbrauchsfällen verschärft.