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Luftwirbel im Weinberg: Dem Frost ein Schnippchen schlagen

Würzburg (dpa/lby) – Nicht alle Winzer in Franken haben sich nach Einschätzung von Weinbaupräsident Artur Steinmann ausreichend gegen Spätfröste im Frühjahr gewappnet. Viele Winzer hofften schlicht darauf, dass es gut geht. «Wir regen die Winzer an, Windmaschinen zu kaufen, um gewisse Teilflächen vor Frost zu schützen», sagte Steinmann der Deutschen Presse-Agentur in Würzburg. «Das ist weltweit erprobt. Da kann man schon was bewegen.»

Wegen des Lärms in den Morgenstunden zwischen 5.00 Uhr und 7.00 Uhr, in denen es meistens am kältesten ist, müssten diese Anlagen allerdings behördlich genehmigt werden. «So oft laufen die aber nicht, vielleicht zwei-, dreimal im Jahr.» Der Weinbauverband spreche derzeit etwa mit dem Landratsamt Kitzingen über ein entsprechendes Pilotprojekt in Franken.

Starker Nachtfrost im Frühjahr, wenn die Reben bereits ausgetrieben haben, kann die Weinstöcke schädigen. Im Mai 2020 verzeichneten Frankens Winzer Schäden auf fast 80 Prozent der gesamten rund 6300 Hektar großen Rebfläche – in einigen Fällen sogar Totalverlust.

Die Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) in Veitshöchheim bei Würzburg testet Schutzmethoden. Paraffin-Kerzen, Heizdraht, Frostschutzberegnung oder auch ein Hubschrauber können für wärmere Luft zwischen den Stöcken sorgen – je nach Lage ist die eine oder andere Methode am besten geeignet.

In der Pfalz werden nach Steinmanns Worten seit Jahren kleine Windräder im Weinberg gegen Frost eingesetzt. Diese verwirbelten wärmere und kältere Luft und schützten so die empfindlichen Triebe. «Die werden mit Gas betrieben», erklärte Steinmann. Jede Windmaschine koste etwa 30 000 Euro und könne sieben Hektar abdecken. «Ein Frostjahr und das Ding ist bezahlt. So muss man das sehen.»

Der Verbandspräsident appellierte eindringlich an die Weinbauern, den Klimaveränderungen entsprechend zu handeln. «Die Winzer müssen sich auf das einstellen. Es reicht nicht, in die Kirche zu gehen und zu beten, es wird schon gut gehen», sagte Steinmann. «Wir brauchen, und das müssen die Winzer auch begreifen, eine Anpassungsstrategie an den Klimawandel.»

Die Reben treiben nach LWG-Angaben bedingt durch den Klimawandel mittlerweile schon recht früh aus, etwa Mitte April. Das belegten Aufzeichnungen seit 1968. «Und im April müssen wir meistens mit Frösten rechnen», sagte Steinmann. 2020 gab es sogar im Mai Frost. Daher sei es an den Winzern, sich zusammenzuschließen und gemeinsam in Windmaschinen und Co zu investieren. Oft gebe es staatliche Zuschüsse von bis zu 25 Prozent.

Steinmann: «Da rede ich nicht darüber, brauche ich das oder nicht. Da rede ich darüber: Will ich in Zukunft noch Weinbau betreiben oder nicht. Und dann muss ich solche Dinge machen. Ohne das wird es künftig nicht mehr gehen.»