Luftfahrt fürchtet Wettbewerbsnachteile wegen Klimavorgaben

Die europäische Luftfahrt fürchtet wegen des geplanten EU-Klimaschutzpakets einen großen Nachteil im Wettbewerb mit der außereuropäischen Konkurrenz. Der Münchner Flughafenchef Jost Lammers kritisierte am Donnerstag, dass die verschärften Klimavorgaben nicht für außereuropäische Fluggesellschaften gelten sollten – womit dann ausschließlich die europäischen Unternehmen die Zusatzkosten des Klimaschutzes zu tragen hätten. «Die völlige Nichtberücksichtigung von außereuropäischen Airlines macht uns aktuell sehr, sehr große Sorgen», sagte Lammers bei einer Tagung zum Thema synthetisches Flugbenzin.

Das «Fit-for-55»-Klimapaket sieht unter anderem kontinuierlich steigende Beimischungsquoten für das teure synthetische Kerosin (SAF) vor. Ab 2025 soll dessen Anteil am Flugtreibstoff bei 0,5 Prozent liegen und dann kontinuierlich weiter erhöht werden. «Wir sehen die ganz große Gefahr aktuell, dass keine CO2-Vermeidung stattfindet, sondern einfach eine Verlagerung», sagte Lammers. «Wir werden sehen, Verkehre werden von EU-Flughäfen auf außereuropäische verlagert, an den Bosporus, an den Golf.»

Die bayerische Staatsregierung will eine Produktionsstätte für synthetisches Kerosin im Freistaat aufbauen, Konsortialführer ist der OMV-Konzern. Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) bezifferte den jährlichen Kerosinbedarf in Deutschland auf zehn Millionen Tonnen. «Wir werden den Einstieg in die Produktion in Deutschland, in Bayern schaffen, aber wir werden am Ende nicht 100 Prozent des Flugtreibstoffs selber erzeugen können», sagte Aiwanger.

Ministerpräsident Markus Söder (CSU) forderte die Bundesregierung auf, synthetische Kraftstoffe besser zu fördern und niedriger zu besteuern. «Es ist ganz entscheidend, dass man das auf die Top-Priorität setzt und nicht nach hinten schiebt.»