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Weiter viel Kritik an Söders Kruzifix-Vorstoß

München (dpa) – Im Streit um Kreuze in bayerischen Landesbehörden gibt es weiter Kritik am Vorstoß des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder. Der FDP-Vorsitzende Christian Lindner warf ihm eine «Profanisierung» des christlichen Symbols vor. Söder habe «das Kreuz zu einem Symbol unserer Kultur unseres Staates erklärt, damit profanisiert und damit von seiner christlichen Bedeutung getrennt», sagte Lindner der «Passauer Neuen Presse» (Samstag). «Gläubige Christen muss es empören, dass er aus ihrem Symbol ein Symbol des Staates macht», sagte Lindner.

Auf Initiative Söders hatte das bayerische Kabinett am Dienstag beschlossen, dass in allen Behördengebäuden unter der Verwaltung des Freistaats im Eingang ein Kreuz angebracht werden soll. Für ihn sei das Kreuz «in erster Linie ein religiöses Symbol», es gehöre «aber auch zu den Grundfesten des Staates», sagte Söder in der ARD. Es habe eine «identitätsstiftende, prägende Wirkung für unsere Gesellschaft».

Der ehemalige Bundestagspräsident und SPD-Politiker Wolfgang Thierse, sagte am Samstag im Inforadio des rbb, das Kreuz als das zentrale Symbol christlichen Glaubens dürfe nicht Gegenstand staatlicher Verordnung werden. Er verstehe zwar, dass Söder das Kreuz als Zeichen der Identität sehen wolle. Dies rechtfertige aber nicht, es in den Zusammenhang eines Wahlkampfes zu rücken. «Der Staat des Grundgesetzes ist weltanschaulich religiös neutral, das heißt er ist offen für alle Bekenntnisse», sagte Thierse, der auch Mitglied im Zentralkomitee der Deutschen Katholiken ist.

In der «Bild»-Zeitung attackierte der Münchner Weihbischof Wolfgang Bischof den Beschluss des bayerischen Kabinetts. Es mache ihn fassungslos, dass Söder mehrere Tage gebraucht habe um einzuräumen, dass das Kreuz ein religiöses Symbol sei, schrieb Bischof in der Zeitung. «Viel wichtiger scheint Markus Söder die «bayerische Identität» zu sein, was auch immer das sein soll. Das Kreuz ist aber kein Symbol für Bayern und erst recht kein Wahlkampflogo.»