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Rassismus gegen Würzburger Kwadwo: «Traurig und wütend»

Münster (dpa/lby) – Mit Zivilcourage gegen Rassismus. Fans von Preußen Münster haben ein vielbeachtetes und ermutigendes Zeichen gegen die anhaltende Hetze im deutschen Fußball gesetzt. Auf die Affenlaute und Beleidigungen eines Zuschauers gegen den Gäste-Profi Leroy Kwadwo reagierten sie am Freitag beim Drittliga-Spiel gegen die Würzburger Kickers nicht nur mit «Nazi raus»-Rufen. Darüber hinaus halfen sie den Ordnungskräften, den Mann ausfindig zu machen. Laut Polizei soll eine Anzeige wegen Volksverhetzung gestellt werden.

Dank dieser solidarischen Aktion empfand Kwadwo nach eigener Aussage bei aller Wut «auch schon fast eine Genugtuung». «Das hat mir geholfen, da noch ruhiger zu bleiben», sagte er im «Aktuellen Sportstudio» des ZDF am Tag nach dem Vorfall. «Die Fans haben da schon einiges an Arbeit geleistet, dafür bin ich dankbar. Wenn sowas passiert, dass man dann im Verbund sowas im Keim erstickt und solchen Leuten keine Chance lässt.»

Schon vor seinem Auftritt im ZDF hatte sich Kwadwo in einer ausführlichen Stellungnahme zu Wort gemeldet und das Verhalten der Fans in einem Beitrag bei Instagram gelobt: «Eure Reaktion ist vorbildlich – Ihr könnt Euch gar nicht denken, was diese mir und auch allen anderen farbigen Spielern bedeutet.» Am Ende seines Eintrags schrieb er zudem: «Danke für Eure Menschlichkeit.»

Nach Angaben der «Westfälischen Nachrichten» vom Samstag handelt es sich bei dem Zuschauer um einen 29-Jährigen aus Steinfurt. Dessen Beleidigung hatte Kwadwo «einfach nur traurig und wütend» gemacht. Wie der «Spiegel» berichtete, soll der Mann dem Spieler auch zugerufen haben: «Geh zurück in dein Loch.» «Ich habe zwar eine andere Hautfarbe, aber ich bin hier geboren», schrieb Kwadwo. Der 23-Jährige forderte ein konsequentes Handeln aller Beteiligten: «Der Fußball hat eine große Macht. Wir sollten dann alle zusammenrücken, sagen, so geht es nicht weiter, dann spielen wir nicht.»

Der deutsche Nationalspieler Antonio Rüdiger vom FC Chelsea twitterte: «Wahnsinn… und schon wieder ein Vorfall. Unfassbar. Aber Respekt vor den Reaktionen der Zuschauer.»

Der Deutsche Fußball-Bund verurteilte die Tat, lobte die Reaktionen und verwies auf das richtige Handeln von FIFA-Schiedsrichterin Katrin Rafalski. «So traurig und beschämend der rassistische Vorfall gegenüber Leroy Kwadwo» gewesen sei, «so vorbildlich waren die sofortigen Reaktionen darauf», twitterte der DFB auf seinem Account zur 3. Liga. Rafalski habe gemäß der Drei-Stufen-Regel der Europäischen Fußball-Union UEFA eine Stadiondurchsage veranlasst und versucht, Kwadwo zu beruhigen. Auf Fotos ist zu sehen, dass Kwadwo die Unparteiische aufmerksam machte und in Richtung Tribüne zeigte.

Auch aus der Politik gab es positive Reaktionen auf die Zivilcourage der Fans. «Stark von den Preussen-Fans, den rassistischen Pöbler der Polizei auszuliefern. Und so machen wir’s jetzt bitte überall in unserem Land. Beherzt eingreifen: Opfer schützen & Volksverhetzer stellen! Für Rassisten braucht’s ein Stadionverbot – überall», twitterte Cem Özdemir (Die Grünen).

Die Gastgeber entschuldigten sich sofort bei Kwadwo und den Gästen aus Würzburg. «Das ist nichts, was auf den Fußballplatz und schon gar nicht in unser Stadion gehört. Solche Leute wollen und brauchen wir hier nicht», sagte Preußen-Vereinspräsident Christoph Strässer, der von 2002 bis 2017 für die SPD im Bundestag saß und von 2014 bis 2016 Menschenrechtsbeauftragter der Bundesregierung war.

Auch die Würzburger hoben die Reaktion von Zuschauern und Club hervor. «Das hat nirgendwo etwas verloren, das tolerieren wir als Verein nicht, und niemand in Deutschland sollte so etwas tolerieren. Wir sagen Danke an die Zuschauer, wie die Reaktion darauf war», sagte Kickers-Trainer Michael Schiele auf der Pressekonferenz.