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Knobloch zu Juden in Deutschland: Miteinander

München (dpa) – Trotz der jahrhundertelangen Tradition jüdischen Lebens in Deutschland werden Juden nach den Worten der Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern teils noch immer als Gäste oder Fremde eingeordnet. Manche sähen Juden weiter als Zugereiste, als Flüchtlinge oder Gastarbeiter, sagte Knobloch am Dienstag in München. Umso wichtiger seien die Veranstaltungen zu 1700 Jahren jüdisches Leben auf dem Gebiet des heutigen Deutschland.

«Es ist gut, dass das gefeiert wird, damit die Menschen das auch begreifen: Juden sind schon seit 1700 Jahren in unserem Land», sagte die 88-Jährige. «Ich werde immer wieder gefragt: „Sie haben doch so eine schöne Heimat, warum gehen Sie denn da nicht hin, da scheint immer die Sonne? Da muss ich immer antworten: „Ich bin in meiner Heimat. Und es scheint auch hier die Sonne.“»

Es gehe um ein Miteinander, nicht ein Nebeneinander, betonte Knobloch. «Gott sei Dank leben wir heute in Freiheit, aber Freiheit ist nur vorhanden, wenn auch Sicherheit vorhanden ist. Das ist heute das Wichtigste für das jüdische Leben in Deutschland», sagte Knobloch mit Blick auf antisemitische Aussagen und Taten bis hin zu Anschlägen.

An der Veranstaltung nahm auch der Spielleiter der Oberammergauer Passionsspiele, Christian Stückl, teil, der die Passion grundlegend reformiert und von antisemitischen Zügen befreit hatte. Anfang März erhielt er für sein Engagement gegen christlichen Antijudaismus die Buber-Rosenzweig-Medaille. Der Antisemitismus habe «tief im Text» gesteckt und sich sogar in den Kostümen gezeigt, sagte Stückl, der für die auf 2022 verschobene Passion erstmals wichtige Rollen mit zwei Oberammergauern muslimischen Glaubens besetzt hat.

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