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Knobloch warnt vor Extremismus in jeder Form

München (dpa/lby) – Im Gedenken an die Opfer der nationalsozialistischen Novemberpogrome 1938 hat Charlotte Knobloch ein stärkeres Engagement gegen Antisemitismus und jede Form des Extremismus gefordert. «Ob rechts- oder linksextrem oder Islamisten: Der Judenhass als kleinster gemeinsamer Nenner bleibt», sagte die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern am Montag in München. Von dort aus hatten die Nazis am Abend des 9. November 1938 ihre Schlägertrupps aufgehetzt. In ganz Deutschland kam es daraufhin zu blutigen Ausschreitungen, die als Auftakt zur systematischen Vernichtung der jüdischen Bevölkerung gelten.

«Die Schreie der hilflosen Opfer hallen bis heute nach», sagte Knobloch. Sie hatte die Ausschreitungen in ihrer Heimatstadt München als Sechsjährige miterlebt. Die jüdische Gemeinschaft in Deutschland sei zwischen 1933 und 1945 ausgegrenzt, ausgeraubt und schließlich beinahe ausgelöscht worden. «Wir vergessen nicht, wie heute vor 82 Jahren auch hier in München die Scheiben klirrten, wie die Synagoge brannte und wie jüdische Menschen misshandelt, verschleppt und ermordet wurden.»

Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) sagte, die Erinnerung an die Barbarei von damals sei zentral für den Fortbestand der freiheitlichen Demokratie und der humanen Gesellschaft. Immer öfter nutzten Rechtsextreme und Islamisten die Corona-Pandemie, um mit gezielten Verschwörungsfantasien den Judenhass weiter anzuheizen.

Wegen der Corona-Pandemie fand das Gedenken in München und anderen Städten wie Augsburg nur online statt. In München wurde dieses Jahr besonders an 191 jüdische Patienten erinnert, die im September 1940 deportiert und ermordet worden waren.