© Matthias Balk

Klimawandel macht Berge gefährlicher: Mehr Unfälle

München (dpa/lby) – Der Klimawandel macht hochalpine Bergtouren gefährlicher. Muren, Steinschläge und Bergstürze erhöhen das Risiko, das Schmelzen von Schnee und Eis mache Passagen schwieriger, berichtete der Deutsche Alpenverein (DAV) am Mittwoch in München. Immer mehr Wege führen über Blankeis und die Gletscher werden steiler – damit steigt die Rutschgefahr. Bei einem besonders tragischen Unfall in den Zillertaler Alpen verunglückten im August 2017 sechs Alpenvereinsmitglieder, da ein Mitglied stürzte und alle anderen am Seil mit in den Tod riss.

Insgesamt starben in den Jahren 2016 und 2017 bei drei derartigen Mitreißunfällen elf DAV-Mitglieder. Im Vergleichszeitraum 2014 und 2015 waren es bei einem Unfall zwei gewesen, berichtete der DAV nach Auswertung von Unfallzahlen seiner 1,2 Millionen Mitglieder. Die Fälle ereigneten sich in den Alpen und anderen Gebirgen.

«Ich habe solche Veränderungen im Hochgebirge noch nie gesehen. Es gibt viel mehr blankes Gletschereis», sagte Christoph Hummel von der DAV-Sicherheitsforschung. «Es wird schwieriger – und dazu kommt, dass das in den Köpfen noch nicht angekommen ist. Die veränderten Bedingungen machen andere Sicherungsmaßnahmen notwendig.»

In den Hitzesommern 2003 und 2015 waren auch die Unfälle durch Bergrutsche und Steinschlag gestiegen – denn der Permafrost schmilzt, dadurch können sich leichter Steine lösen. Auch beim Wandern gebe es mehr Notfälle. Gerade in heißen Sommern wie in diesem Jahr stiegen die Notrufe wegen Erschöpfung und Dehydrierung. Am bekannten Jubiläumsgrat an der Zugspitze ging 2015 jede fünfte Rettung darauf zurück.

Immer häufiger werde die Rettung auch deshalb alarmiert, weil sich Menschen verlaufen. «Wir haben eine Verdoppelung von Notrufen wegen Verirrens», sagte Hummel. Vermutung: Tourentipps im Internet lockten Menschen auf Wanderungen, die sie dann nicht ausreichend vorbereitet hätten.

751 Alpenvereinsmitglieder brauchten in den Jahren 2016 und 2017 im Wandergelände Hilfe. In den beiden Jahren vorher waren 629. Hauptursache der Notfälle waren in 47 Prozent der Fälle Stolpern, Umknicken oder Sturz. In einem Drittel der Fälle (33 Prozent) allerdings mussten die Menschen gerettet werden, weil sie erschöpft waren, sich nicht weiter trauten – oder sich verlaufen hatten. Das habe die Hälfte dieser Fälle betroffen.

Der DAV hat nach jüngsten Angaben mehr als 1,2 Millionen Mitglieder, die sich auf 356 regionale Vereine verteilen.