Kläger: Deutschland bricht mit Grenzkontrollen EU-Recht

Mit der Verlängerung der deutschen Grenzkontrollen bricht die Bundesregierung nach Ansicht des Juristen und Abgeordneten der Grünen im bayerischen Landtag, Toni Schuberl, europäisches Recht. Schuberl klagt derzeit am Bayerischen Verwaltungsgerichtshof im wohl einzigen deutschen Prozess gegen die seit 2015 gängigen Kontrollen an der Grenze zu Österreich. «Die Kontrollen bestehen nun seit 2416 Tagen, sie sind also seit 2235 Tagen rechtswidrig und dürfen keinen Tag länger bestehen bleiben», sagte Schuberl der Deutschen Presse-Agentur in München.

Das Verfahren von Schuberl ist seit längerem an dem Verwaltungsgerichtshof anhängig. Wann hier mit einer Entscheidung zu rechnen ist, ist unklar. Schuberls Mandantin hatte gegen die Grenzkontrollen geklagt, nachdem sie seit 2018 bereits mindestens acht Mal bei Fahrten zwischen Deutschland und Österreich kontrolliert wurde. Ihrer Meinung nach sind die Kontrollen «rechtswidrige Akte der Polizei», weil die Rechtsgrundlage gegen EU-Recht verstößt.

Rückendeckung erhielt diese Bewertung am Dienstag durch ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs. Der hatte geurteilt, dass die im Zuge der Flüchtlingsbewegung 2015 zwischen Österreich und Slowenien eingeführten Grenzkontrollen europarechtswidrig sein dürften.

Ein Sprecher von Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) hatte am Mittwoch in Berlin der Deutschen Presse-Agentur mitgeteilt, dass die im Mai auslaufenden Kontrollen an der Grenze zu Österreich um weitere sechs Monate verlängert werden sollen. Ein entsprechendes Schreiben an die EU-Kommission sei bereits am 14. April verschickt worden. Begründet wurde die Verlängerung bis November mit dem Migrationsgeschehen an diesem Grenzabschnitt.