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Justizministerium will NS-Vergangenheit aufarbeiten

München (dpa/lby) – Das bayerische Justizministerium will die Nachwirkungen des NS-Regimes in der Landesjustiz aufarbeiten. Minister Winfried Bausback (CSU) und der stellvertretende Direktor des Instituts für Zeitgeschichte, Magnus Brechtken, gaben am Dienstag in München den Startschuss für ein dreijähriges Forschungsprojekt.

«Auch gut sieben Jahrzehnte nach der Befreiung von der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft ist die wissenschaftliche Aufarbeitung des Themas «Justiz und NS-Vergangenheit» noch lange nicht abgeschlossen», sagte Bausback. Es gehe etwa darum zu klären, welche Vergangenheit das Personal nach der Wiedereinrichtung des Justizministeriums hatte. «Und vor allem: Welche Auswirkungen hatten persönliche Prägungen und eine mögliche NS-Vergangenheit auf das konkrete Handeln im Dienst?»

Insbesondere soll das Spitzenpersonal des Ministeriums von 1945 bis 1974 untersucht werden. Die Forschung ist Teil eines größeren Projekts, in dem das Institut für Zeitgeschichte seit 2016 den Umgang von Staatsregierung und Landesbehörden mit dem Nationalsozialismus untersucht. «Die deutschen Juristen taten sich über viele Jahrzehnte schwer mit der selbstkritischen Aufarbeitung der eigenen tragenden Rolle im Nationalsozialismus», so Brechtken. Ende 1948 waren demnach knapp 60 Prozent der Beamten im bayerischen Justizministerium ehemalige NSDAP-Mitglieder.