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Jüdische Gemeinde Regensburg hat eine neue Synagoge

Regensburg (dpa/lby) – 500 Jahre nach der Zerstörung der ersten Synagoge in Regensburg hat die jüdische Gemeinde in der oberpfälzer Stadt ein neues Gebetshaus. Dessen Eröffnung findet am Mittwoch (27. Februar) statt – und somit gut 80 Jahre nach der Reichskristallnacht mit dem Beginn der organisierten Judenverfolgung im Nationalsozialismus und der Zerstörung der damaligen Synagoge. Der neun Millionen Euro teure Bau befindet sich in der Altstadt und unweit des Doms auf dem Grundstück, auf dem bis 1938 die vorherige Synagoge stand.

Der schlicht gehaltene Kuppelbau fügt sich in die Umgebung ein. Die sandfarbenen Backsteinziegel sollen Beständigkeit symbolisieren, sagte Architekt Per Pedersen aus Berlin am Dienstag. Große Fenster stünden – trotz aller erforderlichen Sicherheitsmaßnahmen – für Offenheit und Öffnung nach Außen hin. Der helle Gebetsraum ist mit Holzlamellen verschalt. Wegen der Akustik sind keine Lautsprecher erforderlich. Die Synagoge folgt dem orthodoxen Ritus und ist nach Osten – also nach Jerusalem – hin ausgerichtet. Frauen und Männer sitzen getrennt.

Am Mittwoch sollen in einer Zeremonie die drei Thorarollen aus dem bisherigen Gebetsraum in die neue Synagoge gebracht werden, wie Gemeindevorsitzende Ilse Danziger sagte. Bis zur letzten Minute werde noch gearbeitet. Sitzreihen müssten noch installiert und die Türen zum Thoraschrein fertig vergoldet werden. Zu der Eröffnung werden der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, und Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) erwartet.

Direkt an den Synagogen-Neubau schließt sich der Altbau des Gemeindezentrums an. Der hatte die NS-Zeit überstanden. Hier befinden sich unter anderem die Büros der Gemeinde. Der Ende der 1960er Jahre neben dem Altbau – als Ersatz für die zerstörte Synagoge – errichtete Mehrzweck- und Gebetsraum war abgerissen worden, um Platz für das neue Gotteshaus zu schaffen.

Mit dem Neubau geht ein lange gehegter Wunsch der Juden in Regensburg in Erfüllung. Unterstützt wurden sie vom Förderverein neue Regensburger Synagoge. Dessen Ziel war es, Geld zu sammeln, sagte der Vorsitzende Dieter Weber.

1519 waren die Juden aus Regenburg vertrieben worden. Seit Anfang des 19. Jahrhunderts hatten sie sich in der Stadt wieder angesiedelt und zunächst eine ehemalige Kirche als Gebetshaus genutzt. Als diese baufällig wurde, errichtete die Gemeinde eine Synagoge, die 1912 eröffnet und bis zu ihrer Zerstörung 1938 genutzt wurde.

Die Anfänge der jüdischen Gemeinde in Regensburg reichen mindestens bis ins 10. Jahrhundert zurück. Damit ist sie eine der ältesten jüdischen Gemeinden im deutschsprachigen Raum. Der Neubau war nach Angaben der Gemeinde – sie zählt heute rund 1000 Mitglieder – auch aus Kapazitätsgründen wichtig.