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Weihnachten ohne Christmette stößt auf Verständnis in Bayern

München / Augsburg (dpa/lby) – Bayerns Innenminister Joachim Herrmann hat ein Verbot von Präsenz-Gottesdiensten an Weihnachten auch vor 21 Uhr abgelehnt. «Gerade die gottesdienstlichen Feiern des Weihnachtsfestes gehören für viele Bürgerinnen und Bürger und auch für mich untrennbar zur Feier der Geburt Jesu dazu», sagte der CSU-Politiker am Mittwoch. «Meiner Erfahrung nach halten sich unsere großen Kirchen in Bayern sehr penibel an die strengen Corona-Schutzvorkehrungen.»

Sie achteten genauestens darauf, dass keine Infektionsgefahren durch den Gottesdienst entstehen. «Es gibt für mich überhaupt keinen Anlass, daran zu zweifeln. Es gibt klare Regeln wie die Maskenpflicht, den Mindestabstand und das Gesangsverbot.» Außerdem sei die Gefahr durch Aerosole in den hohen Räumen der Kirchen nicht so groß.

Die Debatte um die Zulässigkeit von Präsenz-Gottesdiensten in der Corona-Pandemie hatte kurz vor Heiligabend noch einmal Fahrt aufgenommen. Der Bundesverband der Ärztinnen und Ärzte im Öffentlichen Gesundheitsdienst plädierte am Mittwoch dafür, die Weihnachtsgottesdienste in diesem Jahr nicht in den Kirchen, sondern ausschließlich online zu feiern.

«In Deutschland sterben im Augenblick pro Tag knapp 1000 Menschen an einer Corona-Infektion. Weitere Tausende kämpfen auf den Intensivstationen der Krankenhäuser um ihr Überleben. Wir müssen in dieser Situation alle Kontakte rigoros einschränken», sagte Ute Teichert, die Vorsitzende des Bundesverbandes.

Gegen eine generelle Absage von Präsenz-Gottesdiensten an Weihnachten sprach sich der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, in der Radiosendung «Bayern 2-radioWelt» des Bayerischen Rundfunks aus. Es gebe gute Gründe, auch an diesem Weihnachtsfest die Möglichkeit offenzuhalten, in den Kirchen die Weihnachtsbotschaft zu hören. So gebe es einsame Menschen, die einen Gottesdienst vor Ort benötigen, allerdings «nur unter den strengsten Hygieneauflagen.»

Aus der Bevölkerung erhält das Verbot von Gottesdiensten nach 21 Uhr an Heiligabend laut einer bayernweiten Umfrage mehrheitlich Zuspruch. 67,7 Prozent der Befragten gaben bei einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag der «Augsburger Allgemeinen» (Donnerstagsausgabe) an, es richtig zu finden, dass für spät stattfindenden Weihnachtsgottesdienste keine Ausnahme von der geltenden nächtlichen Ausgangssperre gemacht wird.

Vor allem Ältere sprachen sich gegen Ausnahmeregeln aus. Für falsch hielten das Verbot hingegen 27,6 Prozent – etwa jeder vierte Befragte. An der Umfrage nahmen rund 3500 Menschen aus Bayern im Zeitraum vom 18. bis 23. Dezember teil.

Christmetten oder Mitternachtsmessen können an Heiligabend aber online verfolgt werden: Viele Gemeinden im Freistaat veröffentlichen die spätabendlichen Messen im Internet. Ministerpräsident Markus Söder hatte im Gespräch mit der «Augsburger Allgemeinen» angekündigt, sich an Heiligabend mehrere Online-Gottesdienste ansehen zu wollen. Viele Predigten in sehr kurzer Zeit habe Söder bereits zu Ostern gesehen und fand das «persönlich sehr bereichernd».