© Robert Michael

Millionen Impfdosen in den Ländern im Lager

Berlin (dpa) – Einige Bundesländer hinken bei den Corona-Impfungen anderen hinterher.

So waren bei den Spitzenreitern Saarland, Bremen, Schleswig-Holstein und Thüringen am Donnerstag 11 Prozent oder mehr der Bevölkerung durch mindestens eine Impfung besser vor möglichen schweren Corona-Folgen geschützt. Andere haben teils deutlich weniger als 10 Prozent ihrer Bürgerinnen und Bürger mit einer Erstimpfung ausgestattet: Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Baden-Württemberg, Hessen und Hamburg. Das zeigt ein vom Bundesgesundheitsministerium täglich aktualisierter Impfstand.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mahnte in einer Regierungserklärung, alle müssten angesichts der um sich greifenden dritten Welle mit der wohl tödlicheren britischen Virusvariante besser werden – Bund, Länder und Kommunen. An die für die Impftermine zuständigen Länder gerichtet sagte Merkel: «Wenn irgendwo Impftermine möglich werden und eine Dosis Impfstoff vorhanden ist, und er nicht wahrgenommen wird dieser Termin, weil keiner vergeben ist, dann ist das nicht in Ordnung.» In den Impfzentren der Länder werde tolle Arbeit geleistet. «Aber wo man noch schneller werden kann und flexibler, muss man es werden.»

Auch eine knappe Woche nach dem Ende des Impfstopps für das Präparat von Astrazeneca wurde noch nicht in allen Bundesländern das Onlinebuchen für Impftermine wieder freigeschaltet. Von Land zu Land ist es dabei unterschiedlich, wie viel von dem gelieferten Serum bisher tatsächlich verimpft wurde.

GELIEFERT – GEIMPFT:

Der Bund lieferte bis Dienstag laut Impfdashboard des Gesundheitsressorts 3,37 Millionen Dosen nach Nordrhein-Westfalen. Lediglich 70 Prozent davon wurden bis Donnerstag verimpft. Bayern erreichten 2,46 Millionen Dosen – 80,3 Prozent wurden gespritzt. Baden-Württemberg bekam 2,08 Millionen Dosen – verabreicht wurden 74,7 Prozent. In Niedersachsen waren es 1,5 Millionen gelieferte Dosen, wovon 73,8 Prozent verimpft wurden.

Hessen bekam den Zahlen zufolge 1,19 Millionen Dosen und verimpfte 75 Prozent. Nach Rheinland-Pfalz gingen mehr als 0,77 Millionen Impfdosen, 79,8 Prozent wurden verimpft. Sachsen erhielt knapp 0,77 Millionen, verimpfte davon bisher aber nur 71,1 Prozent. Berlin bekam 0,7 Millionen, verabreicht wurden 77,7 Prozent. Schleswig-Holstein erhielt 0,55 Millionen Dosen, 77 Prozent wurden verimpft. In den anderen Ländern liegen die Impfmengen insgesamt darunter.

Insgesamt wurden laut Robert Koch-Institut am Mittwoch rund 286.000 Impfdosen verabreicht – fünf Tage nach dem Ende des knapp viertägigen Astrazeneca-Impfstopps. Am Mittwoch vor dem Impfstopp waren es 280.000 Dosen, am Freitag vor dem Stopp 304.000 Dosen.

WAS ZUSTÄNDIGE LANDESMINISTER SAGEN:

In den zwei größten Ländern mit den im Bundesvergleich weniger guten Impfzahlen, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg, ist der Impffortschritt seit Tagen ein Thema. NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann bat die Kommunen am Donnerstag, nicht genutzte Impfstoffkontingente für weitere Personen zu verwenden. «Wir wollen Strecke machen.» Am Vortag hatte Laumann noch von «Falschmeldungen zu „Impfdosen auf Halde“» gesprochen: Die Impfdosen im Lager müssten für vereinbarte Termine oder Zweitimpfungen zur Verfügung stehen.

In Baden-Württemberg sprach Sozialminister Manne Lucha (Grüne) zuletzt von einem «Erfolg», als er ankündigte, bis Ende März werde die Warteliste der Bürgerinnen und Bürger über 80 und bei denen über 65 Jahren aus bestimmten Berufsgruppen abgearbeitet.

UNTERSCHIEDE BEI DEN ÜBER-80-JÄHRIGEN:

Auch bei jenen, die im Fall einer Covid-19-Erkrankung besonders hohen Risiken eines schweren oder tödlichen Verlaufs ausgesetzt sind, gibt es große Unterschiede: bei den Älteren und Vorerkrankten. So waren laut Robert Koch-Institut am Mittwoch im Saarland mehr als 73 Prozent der Über-80-Jährigen zumindest einmal geimpft – in Baden-Württemberg und in der NRW-Region Westfalen-Lippe dagegen erst jeweils rund 59 und in Mecklenburg-Vorpommern erst knapp 50 Prozent.

Der Chef der Ständigen Impfkommission (Stiko), Thomas Mertens, hatte gewarnt, die Gefährdetsten für schwere Covid-19-Verläufe würden benachteiligt. Den Grund sah Mertens darin, dass etwa Lehrkräfte, Erzieher oder Polizisten teils vorrangig geimpft würden, auch wenn sie jung und gesund seien. So ist beispielsweise in Baden-Württemberg schon seit Mitte Februar das pädagogische Personal in Schulen und Kindertagesstätten impfberechtigt. In Berlin etwa wurde der Kreis der Impfberechtigten erst rund eine Woche später zunächst auf Kitakräfte und Mitte März auf Grundschullehrkräfte ausgedehnt.

IMPFEN AN OSTERN – UND DANACH:

An Ostern nun soll trotz Feiertagen geimpft werden. «Wir haben die kommunalen Impfzentren angewiesen und darum gebeten, auch über die Feiertage weiter zu impfen», sagte etwa eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums in Hannover. Sachsen-Anhalt will ausdrücklich weiterimpfen. In Baden-Württemberg sagte eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums, auch über Ostern werde je nach verfügbarem Impfstoff geimpft. Möglich sei, dass Zentren bei zu wenig Impfstoff Termine auf die anderen Tage verteilen und etwa an Ostern schließen. Ohne Einschränkung geimpft werden soll an Osten in Schleswig-Holstein, Bremen, Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Berlin.

In der Woche nach Ostern sollen nach einem Bund-Länder-Beschluss von vergangener Woche auch die Hausärzte flächendeckend in die Corona-Impfkampagne einsteigen – allerdings zunächst nur mit knapp einer Million Dosen in der Woche, rund 20 Dosen für jede Praxis. Die Lieferungen sollen nach Ostern dann aber Schritt für Schritt deutlich ansteigen. Im April sollen laut Bundesgesundheitsministerium bis zu 15,3 Millionen Dosen Impfstoff geliefert werden – nur 4,5 Millionen weniger als im gesamten ersten Quartal. Mit erwarteten 70,5 bis 73,5 Millionen Corona-Impfdosen sollen im zweiten Quartal dann deutlich mehr Menschen in Deutschland geimpft werden können.

© dpa-infocom, dpa:210325-99-960995/6