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Illegales Autorennen: Fahrer vor Gericht

Augsburg (dpa/lby) – Wegen eines illegalen Autorennens müssen sich zwei junge Männer am Mittwoch vor dem Augsburger Amtsgericht verantworten. Die beiden Angeklagten sollen sich am 14. Oktober 2017 – einen Tag nachdem ein neues Gesetz gegen Autorennen in Kraft getreten war – zusammen mit einem dritten Fahrer auf der Bundesstraße 17 in Augsburg ein Rennen geliefert haben. Eine Zivilstreife der Polizei hatte dies damals beobachtet.

Wegen der zunehmenden Zahl von unerlaubten Autorennen auf öffentlichen Straßen hatte der Gesetzgeber im vergangenen Jahr einen neuen Straftatbestand geschaffen. Bis dahin wurden die Rennen nur als Ordnungswidrigkeit geahndet, wenn es zu keinen Unfällen kam. Der neue Paragraf 315d des Strafgesetzbuches, nach dem die Männer nun in Augsburg angeklagt sind, trat am 13. Oktober in Kraft. Es droht den Fahrern demnach bis zu zwei Jahre Gefängnis – wenn andere Menschen gefährdet werden bis zu fünf Jahre. Falls jemand verletzt oder gar getötet wird, steigt das Strafmaß auf bis zu zehn Jahre Haft. Das Augsburger Verfahren dürfte damit eines der bundesweit ersten sein, die nach der neuen Vorschrift stattfinden.

Die 23, 24 und 27 Jahre alten Männer sollen sich damals an einer Tankstelle, die als Treffpunkt der Tuningszene bekannt ist, verabredet haben. Dann sollen sie sich mit überhöhter Geschwindigkeit ein Rennen geliefert haben. Laut Anklage bremste ein Fahrer den nachfolgenden Verkehr jeweils aus, damit die beiden anderen sich auf der autobahnähnlichen B17 quasi duellieren und die Beschleunigungskraft ihrer Sportwagen austesten konnten. In der Spitze soll einer der Wagen knapp mehr als 150 Stundenkilometer gefahren sein, wobei an dieser Stelle kein Tempolimit herrschte.

Die drei Männer erhielten Strafbefehle über 4500 bis 6000 Euro, die Führerscheine wurden eingezogen und eine Sperre zur Neuerteilung einer Fahrerlaubnis von sieben Monaten festgelegt. Alle drei Männer legten gegen die Strafbefehle Einspruch ein, so dass die Vorwürfe nun in einem öffentlichen Prozess verhandelt werden. Der jüngste der drei Fahrer hat wenige Tage vor der Verhandlung seinen Strafbefehl allerdings akzeptiert und den Einspruch zurückgezogen, so dass nun nur noch zwei Angeklagte vor Gericht stehen.

Die Polizei hatte im Oktober die drei Autos der jungen Männer vorläufig beschlagnahmt. Mit dem neuen Gesetz wurde auch die Möglichkeit geschaffen, dass die bei illegalen Rennen verwendeten Fahrzeuge vom Staat eingezogen werden. Nach der Beweissicherung hat die Staatsanwaltschaft die Sportwagen allerdings zurückgegeben. Die dauerhafte Einziehung sei in diesem Fall nicht verhältnismäßig gewesen, sagte ein Sprecher der Anklagebehörde.

Bislang konnten die Staatsanwälte Raser nach illegalen Rennen nur anklagen, wenn andere Straftatbestände wie fahrlässige Tötung im Raum standen. Für Schlagzeilen hatte insbesondere das bundesweit erste Mordurteil gegen zwei Raser aus Berlin gesorgt. Die Fahrer hatten sich auf dem belebten Kurfürstendamm ein Rennen geliefert und dabei einen tödlichen Unfall verursacht. Der Bundesgerichtshof hatte das Urteil aber vor wenigen Wochen aufgehoben, so dass der Fall nun in Berlin neu verhandelt werden muss.

Das Land Baden-Württemberg hatte vor kurzem auf der bei Rasern beliebten Autobahn 81 (Stuttgart-Singen) ein Tempolimit verhängt und an der Fernstraße eine Kampagne gegen Autorennen gestartet. An Brücken über der A81 sind seitdem Banner mit Warnhinweisen wie «Rennen enden im Knast» zu sehen.