Entrindete Baumstämme liegen auf dem Rundholzplatz auf dem Gelände eines Sägewerks., © Philipp von Ditfurth/dpa/Illustration

Kontroverse über EU-Beschluss zur Holzverbrennung

Angesichts von Energieknappheit und wachsenden Klimasorgen entzweit ein Beschluss des EU-Parlaments zur Holzverbrennung nun auch die CSU. Die EU-Abgeordneten hatten am Mittwoch entschieden, die Holzverbrennung weiter als nachhaltige Energie einzustufen, aber die erlaubte Menge auf den Durchschnittsverbrauch der Jahre 2017 bis 2022 zu deckeln und die staatlichen Subventionen zu begrenzen. Agrarministerin Michaela Kaniber (CSU) kritisierte das als gleichermaßen schlecht für Klimaschutz und Versorgungssicherheit.

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) kritisierte den Beschluss aus dem gegenteiligen Grund – der Verband fordert eine noch viel weitergehende Einschränkung. Die CSU-Europapolitikerin Angelika Niebler hingegen begrüßte das Votum.

Ob die Verbrennung von Holz klimaneutral ist oder nicht, ist seit Jahren Streitpunkt. Die Befürworter argumentieren, dass dabei nur so viel CO2 freigesetzt wird, wie ein Baum im Laufe seines Lebens gebunden hat, die CO2-Bilanz also neutral sei. «Wer Holz als Rohstoff ausbremst, befindet sich in Sachen Energiesicherheit, Wirtschaft und Klimaschutz auf dem absoluten Holzweg», sagte Kaniber. «Wenn dieses Holz nicht energetisch genutzt werden kann, dann verrottet es im Wald. Dabei wird genau die gleiche Menge Kohlendioxid freigesetzt.» Die Wärme müsse dann woanders herkommen. «Für jeden Kubikmeter Brennholz müssen mindestens 150 Liter Heizöl verbrannt werden, oder 150 Kubikmeter Erdgas.»

Die Deutsche Umwelthilfe nannte die Entscheidung dagegen «ein fatales Signal für den Umwelt- und Klimaschutz». «Weder die beschlossene vage Obergrenze für den Anteil der Waldholzverbrennung am Energieverbrauch, noch die mit zahlreichen Schlupflöchern versehenen Einschränkungen bei primärer Holzbiomasse reichen aus, um den internationalen Raubbau am Wald zu stoppen», kritisierte Bundesgeschäftsführer Sascha Müller-Kraenner. Mit «primärer Holzbiomasse» sind im Wesentlichen frisch gefällte Bäume gemeint.

Die CSU-Europagruppe im EU-Parlament hatte den Beschluss mitgetragen. «Energie aus Waldholz bleibt weiterhin erneuerbar und förderfähig», betonte CSU-Europagruppenchefin Niebler. «Sozialdemokraten, Grüne und Linke wollten, dass Restholz aus Wäldern nicht weiter verfeuert werden darf und somit auch nicht als erneuerbare Energie anerkannt wird.» Die CSU-Europagruppe habe sich mit Nachdruck dafür eingesetzt, dass Brennholz weiter als erneuerbar gelte. Denn Waldholz ist eine regenerative Energiequelle, die zur Produktion von beispielsweise Pellets für Heizungen genutzt wird.

Der Holzbeschluss war Teil der Novelle der Richtlinie über erneuerbare Energien (RED III), mit der die EU die Umstellung der Energieversorgung auf Ökostrom beschleunigen will. Beendet werden sollen die Subventionen für die Verbrennung von Primärholz. Erlaubt bleiben sollen Zuschüsse für die Verbrennung von Restholz. Rechtskräftig ist der Beschluss nicht, Parlament und EU-Staaten müssen nun noch verhandeln.

In der EU-Richtlinie geht es um die grundsätzliche Einstufung erneuerbarer Energien. Im Wesentlichen trifft das Kraftwerksbetreiber, nicht Privathaushalte. Offen sind die möglichen finanziellen Folgen für die Holzindustrie und Waldbauern, wenn der Beschluss umgesetzt wird. Würde die EU auch die Verbrennung von Restholz nicht mehr bezuschussen wollen, wäre eine wahrscheinliche Folge ein Ende der Subventionen für Pelletheizungen; dies würde auch Privathaushalte treffen. Pellets werden überwiegend aus Restholz hergestellt.