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Herbststurm «Siglinde» bringt dem Norden eine Sturmflut

Offenbach (dpa) – Einen Monat nach Sturmtief «Fabienne» hat «Siglinde» die Nordseeküste getroffen. Der Norden Deutschlands musste sich am Dienstag auf eine leichte Sturmflut einstellen. Ungemütliches Herbstwetter setzt sich auch in den kommenden Tagen fest.

Das Mittag-Hochwasser an der Küste und das Nachmittag-Hochwasser in Hamburg und Bremen werde am Dienstag etwa 1,5 Meter höher erwartet als das mittlere Hochwasser, hatten das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie sowie die niedersächsische Küstenschutzbehörde NLWKN gewarnt.

Hamburg erreichte die erste Sturmflut dieses Herbstes. Die Elbe überflutete einen Parkplatz am St.-Pauli-Fischmarkt. Der Scheitelpunkt am Pegel St. Pauli lag am Nachmittag 1,64 Meter über dem mittleren Hochwasser, wie das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie mitteilte.

Schwere Sturmböen bliesen an der Küste nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) aus dem Westen, später aus Nordwest. Auf dem Brocken im Harz blies der Wind laut DWD sogar mit Stärke 12. Am Dienstagabend sollte der Wind allmählich abnehmen, hieß es beim DWD.

Gravierende Folgen wurden von der Polizei bis zum frühen Nachmittag nicht gemeldet. Auch die Bahn verzeichnete keine Zwischenfälle. Wegen des Sturms nahm der Autozug nach Sylt am Dienstag jedoch keine Lastwagen mit leeren Anhängern und keine Wohnwagengespanne mit.

In Emden entfielen drei Abfahrten des schnellen Katamarans nach Borkum, dafür wurde eine langsamere Ersatzfähre eingesetzt. Die Fahrten der Helgoland-Fähre ab Cuxhaven fielen am Dienstag aus. Die Folgen des Wetters im Norden bekamen auch einige junge Seehunde zu spüren – sie waren in Norddeich aufgepäppelt worden: Das geplante Aussetzen vor Baltrum wurde wegen des Wetters auf Mittwoch verschoben.

Die Bundeswehr blies wegen des Sturms eine Katastrophenschutzübung zunächst ab. «Im Ernstfall wären unsere Hubschrauber geflogen, für eine Übung war der Wind jedoch zu stark», sagte ein Sprecher des Landeskommandos Schleswig-Holstein.

Das Tief «Siglinde» verlieh dem fiktiven Szenario allzu reale Züge. Zweck der Übung am Deich in Elpersbüttel sollte nach Angaben der Bundeswehr das Zusammenwirken von Soldaten der Reserve am Boden und unterstützenden Lufttransportkräften bei der Not- und Katastrophenhilfe sein. Dazu zählen auch schwere Sturmfluten.

Der erste Herbststurm 2018 namens «Fabienne» war Ende September mit Starkregen und Sturmböen über Deutschland hinweggezogen und hatte vor allem in Thüringen und Sachsen große Schäden hinterlassen.

Laut DWD bleibt es am Mittwoch tagsüber im Westen und im Südwesten trocken bei Temperaturen zwischen 9 und 17 Grad. In Alpennähe herrscht Dauerregen. Im Osten der Republik kommt starker bis stürmischer Nordwestwind auf. An den Küsten sowie in höheren Lagen muss zeitweise mit schweren Sturmböen gerechnet werden.

«Siglinde zieht am Mittwoch in Richtung Russland ab. Daher weht bis Donnerstag wieder etwas weniger Wind», sagte ein DWD-Sprecher. Trotz Regens erwarten Experten vorerst kein Ende beim Niedrigwasser des Rheins. Der Pegelstand bei Kaub, der als wichtige Marke für das Obere Mittelrheintal gilt, erreichte am Dienstagmittag 29 Zentimeter – etwas mehr als am Vortag.

Der Deutsche Wetterdienst sagte für die nächsten Tagen nur gelegentlich Regen voraus. Damit bleibt die Schifffahrt vorerst schwer beeinträchtigt: Frachtschiffe können nur noch wenig laden, Kabinenschiffe sind deutlich weniger geworden – und Niedrigwassertouristen können zahlreiche neue Kiesbänke erkunden.