Rockfans tanzen während vor der Hauptbühne des Open-Air-Festivals “Rock am Ring"., © Thomas Frey/dpa/Archivbild

Heavy Metal-Band Pantera tritt bei «Rock im Park» auf

Die Heavy Metal-Band Pantera soll trotz heftiger Kritik beim Musikfestival «Rock im Park» in Nürnberg spielen. Der geplante Auftritt hatte in den vergangenen Wochen wegen Rassismus-Vorwürfen für Aufregung gesorgt – auch mit Blick auf die Nazi-Vergangenheit des Festival-Geländes. Der Sänger der US-Band, Phil Anselmo, soll sich 2016 auf einer Bühne rassistisch geäußert und den Hitlergruß gezeigt haben. Ein Video davon machte im Internet die Runde. Anselmo entschuldigte sich später dafür.

In Nürnberg soll er nun auf dem ehemaligen NS-Reichsparteitagsgelände auftreten, wo das Musikfestival seit Jahren veranstaltet wird. Von 1933 bis 1938 inszenierten die Nationalsozialisten dort vor Hunderttausenden Menschen ihre propagandistischen Parteitage. Der Veranstalter reagierte nun auf die anhaltende Kritik und versicherte, dass Anselmo sich von seinem damaligen Verhalten distanziert habe. Deshalb wolle man der Band eine Chance geben, hieß es. Zuvor hatten Medien darüber berichtet.

Auf Instagram hatten sich bereits kurz nach der Ankündigung des Pantera-Auftritts Ende vergangenen Jahres etliche Nutzerinnen und Nutzer kritisch geäußert, darunter die Buchautorin Jasmina Kuhnke, die andere Bands aufforderte, «Rock im Park» und «Rock am Ring» zu boykottieren und die Bühne nicht mit Pantera zu teilen. Bei den beiden Zwillingsfestivals in Nürnberg und am Nürburgring in der Eifel Anfang Juni treten zeitversetzt weitgehend dieselben Bands auf.

Die Grünen im Nürnberger Stadtrat forderten den Veranstalter auf, den Auftritt von Pantera zu überdenken und die Band wieder auszuladen. «Das ehemalige Reichsparteitagsgelände ist ein Ort der Täter und damit ein Ort der Mahnung», teilte die Partei mit. Von hier dürfe nur ein Zeichen der Menschenwürde und des Friedens ausgehen.

Die Veranstalter erklärten, man habe im Vorfeld das Gespräch mit Pantera und dem Management gesucht. «In mehreren Gesprächen wurde uns glaubwürdig versichert, dass Phil Anselmos Verhalten von 2016 in keinem Fall die Ansichten der Band widerspiegelt und er sein Auftreten aufrichtig und tief bereut», hieß es in der Stellungnahme.

Seit dem Vorfall 2016 sei Anselmo an keiner Stelle politisch in Erscheinung getreten, betonte Geschäftsführer Matt Schwarz von der Agentur Dreamhaus, die für die Buchung der Bands auf den Festivals verantwortlich ist, am Donnerstag. Die Band spiele auf diversen Festivals in Europa und auf den bereits stattgefunden Konzerten habe es keine politische Note gegeben, sagte Schwarz. «Es ist auch vertraglich gesichert, dass es zu keinerlei rassistischen oder anderen Diskriminierung vor oder hinter der Bühne kommen darf.» Das gelte für alle Künstlerinnen und Künstler, die bei «Rock am Ring» und «Rock im Park» auftreten.

Die Gewerkschaft DGB in Mittelfranken zeigte für die Entscheidung, am Pantera-Auftritt festzuhalten, kein Verständnis. «Der Veranstalter muss sich fragen, auf welcher Seite er steht», teilte Jugendsekretärin Denise Kießling mit. Wer sich gegen jede Form von Diskriminierung positioniere, müsse auch entsprechend handeln. «Leere Phrasen auf sozialen Netzwerken helfen Betroffenen sicher nicht.»