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Golda Schultz und das Leiden zwischen Arie und Applaus

München (dpa) – Die Sopranistin Golda Schultz durchleidet nach dem Singen bekannter Opern-Arien immer quälende Momente. «Die drei Sekunden, nachdem die Arie beendet ist, sind immer die schlimmsten überhaupt: Klatschen die oder nicht? Habe ich es geschafft oder hassen sie mich?», sagte die 37-Jährige Sängerin dem «Münchner Merkur» (Samstag). Das sei eine fast unerträgliche Spannung nach dem letzten Ton und vor dem Applaus. «Gerade hast du deine Seele total geöffnet – und jetzt …?»

Denkwürdig war für sie eine Erfahrung: «Einmal hatte ich, so dachte ich, besonders vielgegeben. Der Dirigent wartete, und niemand hat geklatscht! Das war so peinlich!», erinnerte sich die Sängerin, die sich damals allerdings vergeblich gesorgt hatte. «Ein Kollege ist später im Stück an mir vorbei und flüsterte: «Das war superschön.» Da war ich wieder beruhigt.»

Umso mehr vermisst Schultz nun das Publikum, etwa bei Auftritten, die per Livestream übertragen werden. Normalerweise entstehe ein Seelengespräch zwischen Publikum und Darsteller. «Es ist seltsam. Du gibst viel von dir, bekommst aber nichts zurück», beschrieb sie ihre Empfindungen. «Jetzt geht unsere Energie raus – und keine Antwort.» Ihr nächster großer Auftritt ist am 7. Februar geplant – dann soll die gebürtige Südafrikanerin laut Spielplan an der Bayerischen Staatsoper in München auftreten – als Agathe in der Premiere von Carl Maria von Webers Oper «Der Freischütz».