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Experten erforschen in Bayern das Weiß der Weihnachtssterne

Veitshöchheim (dpa/lby) – Welchen Einfluss hat die Temperatur im Gewächshaus auf die Reinheit der weißen Hochblätter eines Weihnachtssterns? Zu dieser Fragestellung forschen Experten der Bayerischen Landesanstalt für Gartenbau (LWG) in Veitshöchheim (Landkreis Würzburg). Erste Erkenntnisse zeigen deutlich: Wärme macht das Weiß noch weißer. «Wir wissen, dass die Farbe Weiß besonders schön wird, wenn wir die Pflanze warm kultivieren, also bei 20 Grad. Dann haben sie die wenigsten Farbbeimischungen», sagte Gartenbauingenieurin Eva-Maria Geiger der Deutschen Presse-Agentur. Sie leitet das LWG-Sachgebiet Zierpflanzenbau.

14 verschiedene Sorten, alles Neuzüchtungen, stehen in den Gewächshäusern vor den Toren Würzburgs auf den Anzuchttischen. Geiger und ihr Team wollen herausfinden, welche neuen Sorten tatsächlich für die Gartenfachbetriebe empfehlenswert sind. Sie analysieren deshalb nicht nur die Farben der Hochblätter, sondern auch die Wuchsform und -geschwindigkeit, die notwendige Bewässerung sowie die Langlebigkeit der Pflanze. «Der Weihnachtsstern ist ein sehr schönes Produkt. Er ist sehr langlebig und kein Wegwerfprodukt», betonte Geiger. Seit mehr als 20 Jahren forscht sie nun bereits rund um die ganzjährige Pflanze, die ursprünglich in Mexiko und Südamerika heimisch ist.

Doch nicht nur die Farbe des Weihnachtssterns wird unter die Lupe genommen. Damit die Gärtnereien Energiekosten sparen können, untersucht die LWG zudem, inwieweit die Neuzüchtungen auch niedrigeren Gewächshaustemperaturen standhalten und dennoch gut wachsen und schöne reinfarbige Hochblätter bilden können. Um drei Grad wird eines der Gewächshäuser deshalb abgesenkt. «Diese drei Grad machen ganz viel aus, was die Pflanzenqualität und die Farbgebung betrifft», so Geiger weiter. «Die weißen Weihnachtssterne sind übrigens Mutationen der normalerweise roten Hochblätter», verrät die Expertin. Die Züchtung und Auslese der besonderen Farben sei aufwendig und langwierig.

Gärtnereien beginnen übrigens bereits im Juli mit der Zucht der Pflanzen, die vor allem in der Adventszeit massenhaft über die Ladentische gehen. Die enorme Hitze in diesem Sommer hat deshalb auch Auswirkungen auf die Weihnachtssterne: «Bei Temperaturen von 30 bis 40 Grad im Gewächshaus war das dieses Jahr eine Herausforderung. Das hat die Weihnachtssterne ziemlich erwischt. Sie sind deshalb nicht so verzweigt und oft kleiner», sagte Geiger.

Trotz des saisonalen Verkaufs gilt der Weihnachtsstern als meist verkaufte Zimmerpflanze nach der Orchidee. Etwa 32 Millionen Exemplare werden der Marketinginitiative der europäischen Weihnachtssternzüchter, Stars for Europe, zufolge jährlich in Deutschland verkauft. Mehr als 700 Gärtnereien, darunter gut 170 aus Bayern, produzieren sie hierzulande. Der Löwenanteil (etwa 80 Prozent) der verkauften Weihnachtssterne ist – trotz des Trends zum Weiß – natürlich rot.