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Fünfzig Zuschauer: Oper «Die Vögel» in München aufgeführt

München (dpa/lby) – Kurz vor Beginn eines neuen Teil-Lockdowns infolge der Corona-Pandemie wurde an der Bayerischen Staatsoper die Neuinszenierung von Walter Braunfels‘ «lyrisch-phantastischer» Oper «Die Vögel» aufgeführt. Zur Premiere am Samstagabend im Münchner Nationaltheater waren nur fünfzig Zuschauer zugelassen, die sich schütter auf dem Balkon verteilten, das gesamte Parkett und die Ränge blieben leer. Die Oper nach der gleichnamigen Komödie des Aristophanes wurde vor genau einhundert Jahren ebenfalls in München mit großem Erfolg uraufgeführt.

Weil Braunfels nach den Rassegesetzen der Nazis als «Halbjude» galt, wurde sein Werk in der folgenden Zeit verfemt und geriet in Vergessenheit. Braunfels‘ Enkel, der Architekt Stephan Braunfels, bemühte sich um eine Wiederaufführung der Werke seines Großvaters.

Die vollständig tonal komponierte Oper mit Anklängen an Richard Wagner und Richard Strauss handelt von der Machtübernahme der Vögel, die im Zwischenreich zwischen Himmel und Erde ein «Wolkenkuckucksheim» als Ort idealer Herrschaft erbauen und damit die Götter herausfordern. Göttervater Zeus zerstört die Stadt der Vögel in einem Sturm, den Braunfels in einem furiosen Orchesterstück vertont. Die Herrschaft der Vögel wurde auch von Alfred Hitchcock in seinem legendären Thriller thematisiert, auf den Regisseur Frank Castorf mit einem überlebensgroßen Porträt des Regisseurs anspielt.

Am Pult des Bayerischen Staatsorchesters stand Ingo Metzmacher; der Bariton Wolfgang Koch verkörperte den Prometheus, die norwegische Sopranistin Caroline Wettergreen die Rolle der Nachtigall. Castorfs Bühnenbilder Aleksandar Denic gestaltete die Stadt der Vögel als Mischung aus Raumstation und Überwachungszentrale mit riesigen Antennen, die die totalitären Tendenzen einer jeden idealen Herrschaft symbolisieren sollen.