Teilnehmer des Kocherlballs tanzen vor dem Chinesischen Turm., © Andreas Gebert/dpa/Archivbild

Frühaufsteher tanzen beim Kocherl-Ball in München

Nach dreijähriger Corona-Zwangspause feiern am Sonntag im Englischen Garten in München wieder die Frühaufsteher. Der traditionelle Kocherlball am Chinesischen Turm lockt ab 6.00 Uhr früh mit Volksmusik und bayerischen Tänzen. Vor der Pandemie waren es regelmäßig Tausende, die in den ersten Sonnenstrahlen Walzer, Polka, Zwiefachen und Landler tanzten. Dann fiel der Ball wegen Corona aus.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts trafen sich im Englischen Garten bei schönem Wetter die sogenannten Kocherl, die Hausbediensteten, am Sonntag frühmorgens zum Tanz. Die frühe Stunde wählten sie, weil sie wieder zum Dienst antreten mussten, wenn die Herrschaft aus der Kirche kam. Im Jahr 1904 wurde der Ball verboten – die Kocherl sollen es mit der Sittlichkeit nicht so genau genommen haben.

Zur 200-Jahr-Feier des Englischen Gartens im Jahr 1989 wurde der Brauch dann wiederbelebt. Danach wurde der Kocherlball am dritten Sonntag im Juli ein Kultereignis. Zuletzt kamen regelmäßig mehr als 10 000 Gäste – viele in Tracht, manche auch in historischen Uniformen oder im Gewand der früheren Kocherl.

Heuer spielen die Musikgruppen «Schreinergeiger» und «Tanngrindler Musikanten» auf. Die Tanzmeister Katharina Mayer und Magnus Kaindl geben den Takt vor und sorgen dafür, dass auch Ungeübte mitmachen können: Sie erklären die Schritte und tanzen sie auch vor.