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Fahrer von Streufahrzeug schweigt zum Tod einer Fußgängerin

Würzburg (dpa/lby) – Ein unterfränkischer Gemeindearbeiter soll mit einem Streufahrzeug-Traktor aus Versehen eine 71-Jährige tödlich überrollt haben – im neu aufgerollten Prozess schwieg der beschuldigte 58 Jahre alte Fahrer. «Ich möchte von meinem Schweigerecht Gebrauch machen», sagte der wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung angeklagte Mann am Mittwoch vor dem Landgericht Würzburg.

Die Vorsitzende Richterin appellierte daraufhin eindringlich an den Mann, Verantwortung zu übernehmen: «Wir stehen jetzt an einem Punkt, wo wir Weichen stellen können.» Das könne seine einzige Chance auf eine Bewährungsstrafe sein, betonte sie.

Der Fahrer soll während des Winterdienstes im Januar 2016 in Erlabrunn bei Würzburg nach dem tödlichen Unfall einfach weitergefahren sein. Später soll er versucht haben, die Tat zu verschleiern.

Die Frau wollte an dem kalten Wintermorgen gelbe Säcke an einer Sammelstelle im Ort ablegen. Dort findet ein Zeuge kurz danach die Frau – halb auf der Straße, halb auf dem Gehweg liegend. Die Frau starb trotz der Wiederbelebungsmaßnahmen durch Ersthelfer und den Notarzt noch an der Unfallstelle.

Die Polizei war zunächst von einem tödlichen Sturz bei Glatteis ausgegangen, wie zwei Polizeibeamte am ersten Prozesstag sagten. Sie hatten den Angeklagten deshalb zunächst als Zeugen vernommen. In dem Zusammenhang habe der Bauhof-Mitarbeiter ausgesagt, dass er den Unfallort zuvor gestreut hatte. Wenig später soll er versucht haben, die Blutspuren mit zwei Eimern Wasser wegzuspülen. Davon wurde er durch einem Polizisten abgehalten, den er zuvor um Erlaubnis gefragt hatte.

Erst nach der Obduktion sei klar gewesen, dass die Frau von einem Traktor oder einem Fahrzeug mit ähnlich großen Reifen überfahren und dabei tödlich verletzt worden war.

Der Prozess wegen fahrlässiger Tötung ist neu aufgerollt worden, weil sowohl die Verteidigung als auch die Staatsanwaltschaft Berufung gegen das Urteil des Amtsgerichts Würzburg eingelegt hatten. Der Mann war in erster Instanz zu einem Jahr und zehn Monaten Gefängnis verurteilt worden. Auch im ersten Prozess hatte der Angeklagte zu den Vorwürfen geschwiegen. Der Prozess wird an diesem Donnerstag fortgesetzt. Mit einem Urteil wird kurz vor Weihnachten gerechnet.