© Armin Weigel

Forscher wollen Raps auf den Teller bringen

Freising (dpa) – Nicht nur Rapsöl, sondern auch eiweißhaltige Lebensmittel aus Raps könnten in Zukunft in Supermarktregalen stehen. Bisher waren Rapsprodukte nicht zum Verzehr geeignet – zu bitter. Forscher der Technischen Universität München (TUM) identifizieren nun im «Journal of Agricultural and Food Chemistry» die dafür entscheidende Substanz. «Dies ist ein erster Schritt, um Raps für die menschliche Eiweißversorgung zu erschließen», teilte der TUM-Lehrstuhl für Lebensmittelchemie am Donnerstag mit.

Neue Nahrungsquellen werden wichtiger. Angesichts der wachsenden Weltbevölkerung seien vor allem bei der Eiweißversorgung Engpässe zu erwarten, sagt Studienleiter Thomas Hofmann. Bei der Rapsölproduktion fallen laut TUM weltweit pro Jahr etwa 1,12 Millionen Tonnen Rohprotein an. Bauern verfüttern das bisher an Vieh.

Die Forscher fanden durch chemische Analysen heraus, dass vor allem ein Kaempferol-Derivat Raps bitter schmecken lässt. «Da wir den Verursacher der bitteren Fehlnote nun kennen, lassen sich sehr viel leichter geeignete technologische Verfahren oder züchterische Strategien entwickeln, mit denen sich aus Rapssaat wohlschmeckende, eiweißreiche Lebensmittel herstellen lassen», sagt Ko-Autorin Corinna Dawid.

Einen ähnlichen Erfolg hatten andere Forscher schon vor Jahren mit Lupinen: Damals war es Wissenschaftlern aus Bayern zusammen mit einer in Mecklenburg-Vorpommern gegründeten Firma gelungen, bitteres Lupineneiweiß in schmackhafte Fleisch- und Milchalternativen zu verwandeln – etwa Lupineneis und Frischkäse-ähnlichen Brotaufstrich. Dafür bekam das Team 2014 den Deutschen Zukunftspreis.