© Frank Leonhardt

Forscher kreieren mit Computersimulationen eine Jazz-Glocke

München (dpa) – Mit Computersimulationen haben Wissenschaftler der Technischen Universität München (TUM) den Klang von Glocken erforscht – und dabei eine Jazz-Glocke kreiert. Die virtuellen Modelle erlaubten neue Glocken-Designs, die auch ungewöhnliche Harmonien erzeugen – beispielsweise einen jazzigen A9-Akkord. «Wir haben einen Klang als Zielvorgabe definiert, den es in der klassischen Wahrnehmung an einer Glocke nicht gibt», sagte Lennart Moheit vom Lehrstuhl für Akustik mobiler Systeme am Montag.

Nur wenn die Gussform exakt die richtige Form hat, erklingt die Glocke sauber in den gewünschten musikalischen Intervallen. Das Team um Moheit ging der Frage nach, wie für Glocken untypische Akkorde mit der optimierten Formgebung realisiert werden können.

Um den Klang zu simulieren, zerlegten die Wissenschaftler mithilfe von Computerprogrammen die Glocke in viele kleine, virtuelle Würfel. Versetzt man dieses dreidimensionale Raster in Schwingung, bewegen sich die Knotenpunkte des Rasters, an denen sich die Ecken der Würfel berühren, auf ganz bestimmte Weise. Das stellt die Schwingungen dar, mit denen sich die Glocke messbar und temporär verformt und welche letztlich für den Klang verantwortlich sind. Verändert man die Form, ändert sich auch der Klang.

Die am Rechner geplante, in der Realität etwa 30 Zentimeter hohe Jazz-Glocke wurde dann am Lehrstuhl für Umformtechnik und Gießereiwesen im Sandgießverfahren gegossen. Nun wollen die Forscher untersuchen, wie Menschen reagieren, wenn sie den ungewöhnlichen Klang hören. Ziel der Forschung ist es letztlich, für unterschiedliche Gegenstände oder Geräte den am besten passenden Sound zu finden, der von den Kunden angenommen wird.