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Roter Mond und großer Mars faszinieren Himmelsbeobachter

Offenbach (dpa) – Gespannt blicken unzählige Menschen am warmen Freitagabend in den Abendhimmel und warten auf den Mond. Hier und dort verzögern Wolken seinen spektakulären Auftritt, doch dann ist er da: rötlich schimmernd und flankiert von einem hellleuchtenden Mars.

Deutschlandweit haben Menschen in Sternwarten, auf Aussichtspunkten oder Dachterrassen das außergewöhnliche Himmelsereignis beobachtet – es war die längste Mondfinsternis des 21. Jahrhunderts, zu der sich zudem ein besonders naher und heller Mars gesellte.

«Es war eine Bilderbuch-Mondfinsternis», sagte Sven Melchert, der Vorsitzende der Vereinigung der Sternfreunde, am Samstag zu dem Himmelsspektakel. Die totale Finsternis dauerte etwa 103 Minuten. Nur noch blass stand der Erdtrabant zwischenzeitlich am Himmel. Allmählich wanderte der Erdschatten weiter, bis der Mond am linken Rand wieder zu strahlen begann.

Hobby-Astronom Melchert sah den Mond das erste Mal gegen 21.40 Uhr, «als schwach rost-rote Scheibe in der grau-blauen Dämmerung». Wie eine «Perle» habe der Rote Planet Mars daneben geleuchtet: «Echt schick.» Eine ähnliche Mars-Stellung war zuletzt vor 15 Jahren zu sehen. Das Duo aus Mondfinsternis und großem Mars sei für die derzeit lebenden Menschen ein einmaliges Ereignis. Erst am 9. Juni 2123 wird es wieder eine ähnliche lange Mondfinsternis geben.

Im Norden, Westen und Süden war die Sicht auf die beiden rötlich leuchtenden Himmelskörper vielerorts recht gut. Der Deutsche Wetterdienst meldete für diese Regionen vereinzelt Wolken. Weniger Glück hatten weite Teile Brandenburgs, Sachsen-Anhalts, Sachsens und Thüringens. Dort blickten viele auf Gewitterwolken statt auf einen sternenklaren Abendhimmel. Über Berlin hingen einige Wolken, doch im Laufe der Nacht lichtete sich dort der Blick auf den Mond. Auch am Alpenrand war das Ereignis nicht überall zu sehen.

Hunderte Menschen verfolgten die Himmels-Show am Strand von Norderney an der Nordsee. «Viele Hundert Menschen» zählte auch Stefan Krause von der Volkssternwarte Bonn beim Beobachten auf dem Alten Zoll am Rheinufer. In Frankfurt lösten Mondbeobachter ein kleines Verkehrschaos aus: Sie ließen nach Angaben der Polizei ihre Autos einfach auf einer Bundesstraße oder auf Obstwiesen stehen.

Zu einer Mondfinsternis kommt es nur bei Vollmond – und zwar wenn Sonne, Erde und Mond auf genau einer Linie liegen. Der Mond taucht völlig in den Schatten ein, den die von der Sonne angestrahlte Erde in den Weltraum wirft.

Einen besonders guten Blick darauf hatte Astronaut Alexander Gerst, der derzeit auf der Raumstation ISS ist. Auch die ISS war am späten Abend für kurze Zeit neben Mond und Mars am Himmel erkennbar. Gerst veröffentlichte am Abend beim Kurznachrichtendienst Twitter ein Bild und schrieb dazu: «Gerade ein Foto der #Mondfinsternis von der Internationalen Raumstation aus gemacht. Schwierig einzufangen. Der leichte Blaustich kommt von der Atmosphäre, kurz bevor der Mond darin «untergetaucht» ist.»

Der Mars gilt ohnehin als Roter Planet. Aber warum leuchtete auch der Mond rot? Die kurzwelligen blauen Lichtwellen der Sonnenstrahlen werden Experten zufolge vollständig in der Erdatmosphäre gestreut. Das langwellige rote Licht wird dagegen gebrochen und in Richtung Mond gelenkt.

In den sozialen Medien beschäftigte viele das Himmelsspektakel. «Ich finde den Gedanken irgendwie wunderschön, dass die ganze Welt heute gemeinsam zum Mond aufschaut», schrieb jemand bei Twitter. In Aachen sei der Mond um 22.32 Uhr gesichtet worden, lautete ein Tweet aus NRW. Hingegen klagte jemand anderes: «Wo isn jetzt der Erdtrabant? Nichts zu sehen in Hamburg». Ein anderer schrieb: «Wolken, bitte geht schnell weg. Ich hab einfach keine Lust, nochmal 105.000 Jahre auf dieses Ereignis zu warten.»