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Experten: Keine allgemeine Impfpflicht, mehr Aufklärung

München (dpa/lby) – Eine Impfung gegen Masern ist nach Ansicht von Experten sinnvoll und wichtig, eine allgemeine Impfpflicht wird dagegen kritisch gesehen. Das ist das Fazit einer Anhörung am Dienstag im Gesundheitsausschuss des bayerischen Landtags.

Vor allem durch Aufklärung und gezielte Impfberatung könne viel erreicht werden, hieß es übereinstimmend. «Es ist mehr Impfberatung nötig, und die sollten wir auch ausreizen», forderte Christian Bogdan, der Direktor des Mikrobiologischen Instituts vom Universitätsklinikum Erlangen. Eine allgemeine Impfpflicht bezeichnete beispielsweise Linda Senftenberg von der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität aber als «letztmögliche Intervention», wenn alle anderen Maßnahmen nicht erfolgreich seien.

Eine Einführung der Impfpflicht könne außerdem den Widerstand in der Bevölkerung gegenüber Impfungen unnötigerweise erhöhen, warnte Cornelia Betsch von der Universität Erfurt. Denn: Der häufigste Grund, dass Menschen sich nicht impfen lassen, sei der, dass sie es einfach vergessen. Vor allem persönliche Lebensumstände wie etwa Umzüge oder Stress im Alltag könnten dazu führen, dass Impfungen nicht durchgeführt werden. Eine Erinnerung durch den Hausarzt oder durch die Krankenkasse könnte laut Mediziner in diesem Fall zu einer höheren Impfquote führen.

Insgesamt sei man auf einem guten Weg, betonten die anwesenden Mediziner. Mehr als 96 Prozent der Kinder in Bayern erhalten laut Gesundheitsministerium eine erste Masernimpfung. Bei der zweiten Impfung liegt die Quote bei etwa 93 Prozent. Ab einer Impfquote von 95 Prozent kann laut Experten davon ausgegangen werden, dass ein Gemeinschaftsschutz besteht und die Krankheit eliminiert werden kann. Viele ältere Menschen und chronisch Kranke hätten ein sehr schwaches Immunsystem und seien daher auf einen solchen Herdenschutz angewiesen, erklärten die Mediziner.

In Berlin läuft aktuell ein Gesetzgebungsverfahren, das zwar keine allgemeine, aber ein relativ weitgehende Impfpflicht vorsieht: Demnach sollen Eltern ab März 2020 vor der Aufnahme ihrer Kinder in eine Kita oder Schule nachweisen müssen, dass diese geimpft sind. Die Impfpflicht soll auch für Tagesmütter und für das Personal in Kitas, Schulen, in der Medizin und in Gemeinschaftseinrichtungen wie Flüchtlingsunterkünften gelten. Die Länder fordern allerdings Änderungen.