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Erstmals seit 70 Jahren: Weißstörche brüten in Miltenberg

Miltenberg (dpa/lby) – Neugierig strecken die kleinen Storchenbabys ihre Köpfchen aus dem Nest: Erstmals seit 70 Jahren hat ein Weißstorchenpaar im unterfränkischen Landkreis Miltenberg gebrütet. Ein Paar dieser Zugvögel ziehe in Obernburg aktuell drei Jungvögel auf, teilte das Landratsamt am Montag mit. «Sie machen einen propperen Eindruck», sagte Thomas Staab vom Landesbund für Vogelschutz (LBV) zum Gesundheitszustand der Tiere.

Ein Elternteil bleibt laut Staab ständig im Horst, damit nicht Raubvögel wie der Milan das Nest räuberten – das andere kümmere sich um die Nahrungsbeschaffung. Das Essens-Angebot nahe des Mains ist reichhaltig: von Fröschen über Eidechsen und Insekten sei alles dabei.

Die brütenden Altvögel wurden Anfang Mai entdeckt – sie hatten sich auf einem ehemaligen Graureiherhorst niedergelassen. Der erste Jungvogel sei am 2. Juni bemerkt worden, sagte Staab. Der Experte rechnet damit, dass die Jungstörche etwa Mitte Juli ihren Weg nach Süden antreten werden, die Altvögel folgen demnach später. Da Störche eine gewisse Standorttreue haben, hofft Staab, dass die Tiere in den folgenden Jahren nach Obernburg zurückkehren.

In Bayern werden Weißstörche seit 1980 offiziell erfasst. Damals wurden nicht einmal 60 Paare gezählt. Um 1900 herum waren es etwa 250 Brutpaare. Laut LBV nisteten im vergangenen Jahr wieder mehr als 750 Weißstorchpaare im Freistaat. Im Winter hätten etwa 300 Tiere auf den Flug in den Süden verzichtet und seien gleich in Bayern geblieben.

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