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EKD-Chef: Asylbewerber nicht an der Grenze zurückweisen

München (dpa) – Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, hat davor gewarnt, Asylbewerber an der Grenze zu Deutschland zurückzuweisen. «Flüchtlinge dürfen nicht von einem Land zum anderen geschoben werden», sagte der bayerische Landesbischof in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur in München. «Wir haben dies schon erlebt, und es kann nie und nimmer die Lösung sein, die in Europa gilt.»

Flüchtlinge in ein Aufnahmelager außerhalb der EU zu bringen, komme ebenfalls nicht infrage: «Was wir kennen, sind Auffanglager in Libyen, von denen man nur Grauenhaftes hört, die alles an humanitären Grundsätzen verletzen, für die Europa steht. Das darf Europa nie und nimmer in Kauf nehmen.» Bedford-Strohm ergänzte: «Bisher hat noch nie irgendjemand einen auch nur ansatzweise gangbaren Vorschlag gemacht, der solche Auffanglager außerhalb von Europa nach unseren europäischen rechtsstaatlichen und humanitären Standards gestalten könnte.»

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hatte angekündigt, Asylbewerber, die bereits in einem anderen EU-Land registriert wurden, an der deutschen Grenze abzuweisen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ist gegen diesen «nationalen Alleingang». Sie möchte auf dem EU-Gipfel an diesem Donnerstag und Freitag für eine «europäische Lösung» in der Flüchtlingspolitik werben. EU-Ratspräsident Donald Tusk brachte «Anlandepunkte» für Bootsflüchtlinge außerhalb der EU ins Spiel.