Kurt (Til Schweiger) und Jana (Jasmin Gerat) trauern um ihr Kind., © Gordon Timpen/Filmwelt Verleihagentur /dpa

Die Filmstarts der Woche

Romantische Komödien sind selten geworden. Aber mit George Clooney und Julia Roberts kann nichts schiefgehen. Ernster ist es bei Til Schweiger – in «Lieber Kurt» geht es um Trauer und Tod.

«Lieber Kurt»: Til Schweiger verfilmt Kuttner-Buch

Was macht die Trauer über den Tod eines Kindes mit den Eltern? Und was mit den Angehörigen und Freunden dieser Eltern? Dieses Thema hatte Sarah Kuttner in ihrem Roman «Kurt» aufgegriffen. Nun hat Schauspieler und Regisseur Til Schweiger den Stoff verfilmt.

In «Lieber Kurt» steht Schweiger selbst als Vater eines sechsjährigen Kindes vor der Kamera. Um dem bei der Mutter (Jasmin Gerat) lebenden Sohn näher zu sein, kauft Kurt mit seiner Freundin Lena (Franziska Machens) ein heruntergekommenes Haus in Brandenburg und ist voller Tatendrang. Doch dann stirbt der kleine Kurt.

«Lieber Kurt» eine Geschichte über den Weg der Trauer, für den es kein Patentrezept geben kann. Schweiger lässt dabei der Traurigkeit, der Wut und der Angst viel Raum. Seine typische Handschrift mit weichgezeichneten Harmonie-Momenten in Zeitlupe und dem ein oder anderen Lacher fehlt dennoch nicht. Wer Filme von und mit Til Schweiger mag, dürfte auch seine neueste Produktion gut finden. Taschentücher unbedingt einpacken.

Lieber Kurt, Mr. Brown Entertainment, 2022, Deutschland, FSK 12, 137 Minuten, von Til Schweiger, mit Til Schweiger, Franziska Machens, Levi Wolter, Jasmin Gerat, Heiner Lauterbach und Peter Simonischek

«Ticket ins Paradies» mit Starbesetzung

Nachdem sich beide zuletzt im Kino etwas rar gemacht haben, kehren die Hollywood-Stars George Clooney und Julia Roberts in der romantischen Komödie «Ticket ins Paradies» auf die große Leinwand zurück. Sie spielen David und Georgia, die sich vor vielen Jahren haben scheiden lassen. Als ihre gemeinsame Tochter ihre Karriere aufgibt, um auf Bali ihren Urlaubsflirt zu heiraten und dort sesshaft zu werden, reisen David und Georgia gemeinsam auf die Insel, um die Hochzeit zu verhindern. Nach anfänglichen Zankereien kommen die Gefühle von früher wieder auf.

Der Film von Regisseur Ol Parker («Mamma Mia! Here We Go Again») bietet viele Lacher und etwas fürs Herz. Dank der bestens aufgelegten Hauptdarsteller und schöner Bilder, die tatsächlich im australischen Queensland gedreht wurden, ist «Ticket ins Paradies» ein kurzweiliger, launiger Sommerfilm.

(Ticket ins Paradies, USA 2022, 104 Min., FSK 6, von Ol Parker, mit George Clooney, Julia Roberts, Kaitlyn Dever, Lucas Bravo)

Kinodoku zu Alice Schwarzer mit schönen Archivfunden

Menschen von Anfang 20 oder auch Anfang 30 können sich vermutlich nicht ausmalen, wie noch vor wenigen Jahrzehnten in Deutschland über Frauen gesprochen wurde. Einen Eindruck davon verschafft der Kino-Dokumentarfilm «Alice Schwarzer» von Sabine Derflinger.

So druckte der «Spiegel» 1976 folgende Zuschrift eines Lesers aus Karlsruhe ab: «Sollte sich tatsächlich einmal ein Mann bereitfinden, es der Alice zu besorgen, dass die Heide weint – ich wette, Deutschland hätte eine ‚Frauenrechtlerin‘ weniger.» Es sind solche Archivfunde, die den Film sehenswert machen. Sie stehen für sich, werden nicht kommentiert.

Es steht außer Frage, dass sich Alice Schwarzer als bedeutendste Frauenrechtlerin der deutschen Nachkriegsgeschichte Verdienste erworben hat. Leider widersteht die preisgekrönte österreichische Filmemacherin Derflinger nicht der Versuchung, ihr einen Heiligenschein aufzusetzen. Ein zweites Manko des Films ist, dass er erhebliche Längen vor allem in der zweiten Hälfte aufweist. Deutlich wird: In dieser Lebensgeschichte steckt allemal Stoff für einen richtigen Kinofilm.

Alice Schwarzer, Derflinger Film, 2022, Österreich, Deutschland, FSK 12, 100 Minuten, von Sabine Derflinger