© Lino Mirgeler

Deutschlands derzeit schnellster Rechner gestartet

Garching (dpa/lby) – Deutschlands derzeit schnellster Rechner, der SuperMUC-NG, ist auf dem Forschungscampus Garching bei München in den Betrieb gestartet. Ministerpräsident Markus Söder drückte am Montag am Leibniz-Rechenzentrum (LRZ) der Bayerischen Akademie der Wissenschaften gemeinsam mit Wissenschaftsministerin Marion Kiechle (beide CSU) und Akademiepräsident Thomas Höllmann den Startknopf. Der neue Höchstleistungsrechner wird den Spitzenplatz in Deutschland für einige Zeit halten, bis er von neueren Anlagen überholt wird. Auch weltweit spielt er in der Spitzenklasse.

Der SuperMUC-NG geht zunächst in den Testlauf. Voraussichtlich Ende des Jahres wird er seine volle Leistung erreichen, so dass sein Vorgänger abgeschaltet werden kann. Er folgt dem SuperMUC und bietet der Wissenschaft ein Vielfaches an Rechenleistung: Das Superhirn schafft 26,7 Petaflops, das sind mehr als 26 Billiarden Rechenschritte pro Sekunde. Sein Vorgänger lag bei 6,4 Petaflops.

Auch der SuperMUC-NG wird mit Strom aus hundert Prozent erneuerbaren Energiequellen betrieben und mit warmem Wasser gekühlt. Das senkt die Stromkosten. Unter anderem wird die Abwärme zur Erzeugung von Kaltwasser genutzt, das wiederum der Kühlung von Rechnerteilen dient.

Der Rechner soll Forschern verschiedenster Wissenschaftsbereiche aus ganz Europa zur Verfügung stehen. Neben den Gebieten Kosmologie und Astrophysik, Festkörperphysik und Strömungsmechanik wird die Rechenleistung zunehmend in der Medizin, in der Genforschung oder in der Katastrophen- und Umweltforschung gebraucht. Auch Unternehmen können den Rechner nutzen, wenn die Ergebnisse veröffentlicht werden.

«Er eröffnet ganz neue Möglichkeiten für die Wissenschaft und ebnet den Weg für die Entwicklung eines revolutionären Quantencomputers», sagte Söder. Mit dem Bund werde Bayern bis 2023 rund 150 Millionen Euro ausgeben, um die Spitzenposition bei Höchstleistungsrechnern auszubauen.

Schon mit Hilfe des SuperMUC gelangten laut Akademie der Wissenschaften einige Durchbrüche. Ein internationales Team konnte berechnen, welches Brustkrebsmedikament bei welcher Patientin wirken wird. Außerdem errechnete der SuperMUC eine Simulation des Meeres-Erdbebens, das 2004 einen verheerenden Tsunami ausgelöst hatte. Auch Simulationen zu Auswirkungen des Klimawandels, zu Regenmengen und Hochwassergefahren in Bayern wurden angestellt.

Etwa alle sechs Jahre bekommt Garching einen neuen Rechner, dazwischen wird er meist einmal aufgerüstet. Wie schnell die Entwicklung läuft, zeigt der SuperMUC: Er war im Sommer 2012 mit einer Leistung von drei Petaflops als schnellster Rechner Europas und viertschnellster weltweit gestartet. Heute reicht er für viele Anwendungen bei Weitem nicht mehr aus.