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BN übt Kritik: Bayern bei Pestizid-Halbierung halbherzig

Nürnberg (dpa/lby) – Der Bund Naturschutz in Bayern (BN) hat der Staatsregierung vorgeworfen, die geplante Reduktion des Pestizideinsatzes in Bayern nur sehr halbherzig anzugehen. Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) habe es nach nunmehr zweieinhalb Jahren nicht geschafft, eine valide Zahlenbasis vorzulegen, sagte der BN-Vorsitzende Richard Mergner am Mittwoch in Nürnberg. «Wir wissen noch nicht mal, wie viele Pestizide in Bayerns Landwirtschaft überhaupt zum Einsatz kommen», kritisierte er. 2019 hatte die Staatsregierung das Ziel ausgerufen, den Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel bis 2028 zu halbieren.

Kaniber wies die Kritik zurück. Bayern arbeite an einem ganzen Maßnahmenbündel zur Reduktion von Pflanzenschutzmitteln. Das wisse der BN-Vorsitzende nach einem mehrstündigen guten Gespräch vor einigen Wochen auch, seine Kritik ignoriere die bereits unternommenen Schritte. «Wir sind sehr zuversichtlich, dass wir mit unseren Maßnahmen die Ziele wie angekündigt bis 2028 erreichen», sagte die Ministerin. Kein Bundesland könne auf eine umfassende Statistik zum tatsächlichen Einsatz von Pflanzenschutzmitteln zurückgreifen. Die Länder könnten nur mit Daten des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) über die von der Industrie abgegebene Menge kalkulieren. Bayern hat demnach seine Kalkulationen bereits dem Landtag übermittelt.

Der BUND-Bundesverband, die Grünen-nahe Heinrich-Böll-Stiftung und der Verein Pestizid-Aktions-Netzwerk hatten am Mittwoch den «Pestizidatlas» 2022 vorgestellt. Aus Sicht der Umweltschützer sollten weltweit deutlich weniger Pestizide auf Felder gespritzt werden. Der Verlust der Artenvielfalt weltweit, aber auch in Deutschland sei dramatisch und könne nur durch Reduktion von Pestiziden gestoppt werden. Die Hersteller kritisierten den Bericht und sprachen von bekannten Vorwürfen sowie fragwürdigen Zahlenspielen.

In Bayern sei der Einsatz von Neonikotinoiden im Zuckerrübenanbau ein besonderes Problem, kritisierte der BN. In Bayern hatte es – wie auch in mehreren anderen europäischen Staaten – im vergangenen Jahr eine Notfallzulassung für Thiametoxam gegeben, das für Bienen giftig und seit 2018 in der EU eigentlich verboten ist. Kanibers Eintreten für die befristete Zulassung sei ein Fehler gewesen, kritisierte Mergner. Die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA hatte die Notfallzulassungen in den Ländern bei einer Bewertung im November für begründet befunden.

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