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Bayerns Jäger wollen Versammlung trotz Corona-Bedenken

Nürnberg (dpa/lby) – Bayerns Jäger ziehen ungeachtet der steigenden Corona-Gefahren ihre Mitgliederversammlung mit bis zu 400 Teilnehmern am Samstag in Nürnberg durch. Der Landesausschuss des Jagdverbandes habe sich am Donnerstagabend mit großer Mehrheit für die Durchführung der Veranstaltung auf dem Nürnberger Messegelände ausgesprochen, sagte eine Verbandssprecherin. Es gebe grünes Licht sowohl vom Gesundheitsministerium als auch vom Gesundheitsamt der Stadt Nürnberg, sagte sie.

Dabei hatte es zuvor Kritik von oberster Stelle auch aus den eigenen Reihen gegeben. Der Vizepräsident des Verbandes, Thomas Schreder, hatte zu Bedenken gegeben, zu dem Treffen kämen Menschen aus den Corona-Hot-Spots des Landes zusammen, darunter auch zahlreiche Politiker in den Reihen der Jägerschaft. «Wenn ich es alleine entscheiden müsste, dann würde ich der Gesundheit Vorrang geben», sagte Schreder am Donnerstag.

Unter den 420 zur Versammlung angemeldeten Mitgliedern seien Leute aus den bayerischen Corona-Hotspots wie Berchtesgadener Land, Memmingen, Schweinfurt und dem Landkreis Regen. Für einige Gebiete hatten die Gesundheitsämter 7-Tage-Inzidenzen von mehr als 90 gemeldet.

Die Stadt Nürnberg als Austragungsort lag am Donnerstag laut städtischem Gesundheitsamt bei 49,5 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in sieben Tagen und damit über dem Vorwarnwert von 35, aber noch ganz knapp unter dem Warnwert von 50.

Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sagte am Donnerstag, Kongresse hätten sich bisher – im Gegensatz etwa zu privaten Feierlichkeiten – nicht als Hotspots für das Infektionsgeschehen herausgestellt. Deshalb sei das Abhalten von Veranstaltungen wie der in Nürnberg geplanten «noch vertretbar». Ähnlich äußerte sich Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler), der auf der Teilnehmerliste für die Nürnberger Veranstaltung steht.

Innerhalb des bayerischen Jagdverbandes gibt es seit einiger Zeit Verwerfungen. Seit dem Rückzug des Präsidenten und CSU-Landtagsabgeordneten Jürgen Vocke vor einem Jahr steht Bayerns Jägerschaft ohne Präsidenten da. Das Amt hat kommissarisch Vizepräsident Schreder übernommen, der sich auch um die Nachfolge Vockes bewirbt. Als Gegenkandidat tritt der CSU-Landtagsabgeordnete Ernst Weidenbusch an.