© Jens Büttner

Bayern macht Stück für Stück wieder zu

München (dpa/lby) – Bayern steuert Schritt für Schritt zurück in Richtung weitgehende Schließungen. Sowohl bei Schulen als auch im Einzelhandel gelten in immer mehr Stadt- und Landkreisen inzwischen wieder strengere Regeln, weil sich die Corona-Zahlen verschlechtern. Am Freitag überschritt die Sieben-Tage-Inzidenz im bayerischen Durchschnitt laut Robert Koch-Institut (RKI) erstmals wieder den Wert von mehr als 100.

41 Land- oder Stadtkreise lagen mindestens bei diesem Wert, ab dem strengere Corona-Regeln gelten, nur noch vier unter der Marke von 50. Das macht sich auch bei den Schulen bemerkbar: In mindestens 38 Kreisen wurde ab Montag Distanzunterricht angeordnet, wie das Kultusministerium am späten Freitagnachmittag erklärte. Dabei geht es um etwa 2250 Schulen und 550 000 Schüler. In mindestens 44 Kreisen gilt an 3100 Schulen Wechsel- oder Präsenzunterricht für 860 000 Schüler. Für weitere 14 Kreise, 950 Schulen und 220 000 Schüler lagen dem Ministerium zunächst keine Informationen vor.

Auch der Handel beklagt, dass inzwischen in immer weniger Städten und Landkreisen die Geschäfte geöffnet haben dürfen. Auch die Option «Click & Meet», bei der man nur mit Termin ins Geschäft darf, komme immer seltener vor, sagte der Geschäftsführer des Handelsverbands Bayern, Bernd Ohlmann. Angesichts der andauernden Einschränkungen befürchtet er inzwischen bis zu 10 000 Geschäftsaufgaben durch die Corona-Pandemie im bayerischen Einzelhandel.

Die aktuellen Regelung besagt, dass in Kreisen und kreisfreien Städten mit einer Inzidenz über 100 die Geschäfte und Museen geschlossen sind, zwischen 50 und 100 gilt «Click & Meet», unter 50 darf mit Hygienekonzept geöffnet werden. Die Anordnung dazu treffen die Landkreise auf Basis der aktuellen Zahlen des RKI, ein Wechsel erfolgt allerdings erst, wenn ein Kreis drei Tage in Folge über oder unter einer Grenze liegt. Wirksam wir dies dann am übernächsten Werktag.

Legt man dies zugrunde, waren am Freitag nur noch in neun Land- oder Stadtkreisen in Bayern die Bedingungen für Öffnungen am Montag gegeben. In 48 waren die Bedingungen für «Click & Meet» erfüllt, in den verbleibenden 39 standen die Zeichen auf Schließungen. Zudem waren etwa zehn Landkreise auf der Kippe, sich zu verschlechtern. Es gibt allerdings auch Ausnahmen mit positiver Entwicklung: So erfüllten drei Kreise am Freitag mit drei Tagen unter 100 erstmals wieder die Voraussetzungen für Einkaufen mit Termin.

Sowohl Ohlmann als auch Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) betonten am Freitag, dass die Wirtschaft Öffnungsstrategien oberhalb des Inzidenz-Grenzwertes von 100 brauche. «Andere Kriterien wie etwa Auslastung des Gesundheitssystems oder der Schutz gefährdeter Bevölkerungsgruppen durch Impfungen oder Schnelltests wurden außer Acht gelassen», sagte der Minister. «Wir müssen aufpassen, dass die Stimmung bei der Bevölkerung nicht kippt.»

Auch andere Bereiche sind betroffen: Schon am Donnerstagabend teilte das Gesundheitsministerium mit, dass es angesichts der steigenden Zahlen keine weiteren Öffnungen geben wird. Biergärten, Kinos und Theater müssen bayernweit geschlossen bleiben, auch in den Landkreisen mit niedrigeren Werten.

Der Hotel- und Gaststättenverband Dehoga reagierte mit Unverständnis. Zusammen mit der Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten (NGG) forderte auch er am Freitag Öffnungsperspektiven.

Die bayerische SPD forderte «Mut für kreative Konzepte». «Wir haben seit Herbst Schnelltests, seit kurzem sogar Selbsttests, die etwas mehr möglich machen würden ohne zu viel zu riskieren», sagte Generalsekretär Uli Grötsch. «Aber in Bayern klappt es noch nicht einmal, an den Schulen ein vernünftiges Testkonzept zu etablieren.»

Auch der Bayerische Philologenverband (BPV) kritisierte ein Testchaos an bayerischen Schulen. Die Lehrer fühlten sich nach der Ankündigung der Staatsregierung, Schüler vor Unterrichtsbeginn einem freiwilligen Corona-Selbsttest zu unterziehen, allein gelassen.

© dpa-infocom, dpa:210319-99-884591/4