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Impfkunde erfreut Nagelsmann: Katar-Partner als Reizthema

Kiew/München (dpa) – Julian Nagelsmann und seine kleine Reisegruppe waren gerade mit dem eingetüteten Gruppensieg aus dem winterlichen Kiew zurück in München, da wurde aus dem Corona-Hotspot FC Bayern gleich der nächste Positiv-Test übermittelt. Diesmal hat es Angreifer Eric Maxim Choupo-Moting getroffen, der ohnehin bereits zu den fünf Bayern-Profis zählte, die sich als Kontaktpersonen in häuslicher Quarantäne befanden. Die Champions-League-Dienstreise in die Ukraine und das 2:1 (2:0) im dortigen Olympiastadion hatte auch Choupo-Moting darum verpasst – weitere Partien werden bei ihm nun dazukommen.

Dick eingepackt im warmen Wintermantel hatte Nagelsmann am späten Dienstag in der Ukraine trotz der nächsten Impffragen noch Spaß an seiner letzten dienstlichen Verpflichtung vor Ort. «Ist das eine sportliche Frage oder zu Corona?», scherzte der 34-Jährige zum Abschluss seiner Pressekonferenz im Dynamo-Stadion und lachte nach der Antwort aus dem Reporterkreis: «Corona? Dann gehen wir.»

Ausführlich hatte er nach dem nächsten Erfolg der auf Europas großer Fußball-Bühne weiter makellosen Bayern zuvor Stellung zu Reizthemen wie Quarantäne-Ausfällen oder Gehaltseinbußen für betroffene Profis bezogen. Und das nächste Thema mit Brisanz könnte die Katar-Frage auf der Jahreshauptversammlung des Rekordmeisters am Donnerstag (19.00 Uhr) vor maximal rund 1700 Besuchern aufwerfen. «Grundsätzlich ist es immer ein schönes Erlebnis, den Mitgliedern gegenüberzutreten», sagte Nagelsmann über seinen geplanten Besuch im Audi Dome. «Für mich ist das kein Nebenkriegsschauplatz.» Es ist für ihn eine Premiere.

Neben dem durch den im zeitweiligen Schneetreiben gegen Dynamo vorzeitig gesicherten ersten Platz in der Gruppe hob auch die Aussicht auf eine positive Impfkunde der Nationalspieler Serge Gnabry und Jamal Musiala die Laune des Bayern-Trainers. «Ich kann das noch nicht bestätigen», sagte Nagelsmann: «Sollte es der Fall sein, dann freue ich mich darüber, dann ist es ein erster Schritt.» Der «Kicker» hatte den Piks für Gnabry und Musiala vermeldet.

Bei Führungsspieler Kimmich geht die «Tendenz» laut Bundestrainer Hansi Flick zur Impfung. «Ich habe mit Jo gesprochen und denke, dass es auch in die Richtung geht, dass er sich impfen lässt», sagte Kimmichs früherer Club-Trainer am Mittwoch während einer Videoschalte des Deutschen Fußball-Bundes. «Ich gehe mal davon aus, ja, es ist in Zukunft auch nichts anderes mehr möglich, denke ich mal.» Er glaube, sein Gespräch mit dem Mittelfeldspieler sei «sehr gut» gewesen. «Ich glaube schon, dass ihn das Ganze beschäftigt», sagte Flick.

Kimmich, Gnabry, Musiala, Michael Cuisance hockten wie der nun infizierte Choupo-Moting daheim in Quarantäne, während eine Münchner Rumpftruppe auch Gruppenspiel Nummer fünf in der Königsklasse gewann. «Mission erfolgreich abgeschlossen», stellte Kapitän Manuel Neuer nach der ersten Champions-League-Etappe zufrieden fest.

Unerfreulich bleibt der Blick auf das Personaltableau. Neben den fünf Quarantäne-Ausfällen fehlten die nach Corona-Infektionen mittlerweile freigetesteten und am Mittwoch auf den Trainingsplatz zurückgekehrten Niklas Süle und Josip Stanisic sowie der gesperrte Dayot Upamecano.

Angeschlagen mussten in Kiew Lucas Hernández (muskuläre Probleme) und Tanguy Nianzou (Schulterschmerzen) vom Platz. «Auch wenn ich ‚mal Doktor Schiwago zu mir gesagt habe – aber einen Röntgenblick habe ich noch nicht», scherzte Nagelsmann zu Diagnosen seinerseits. Kurz nach dem Spiel konnte er eine mögliche Ausfalldauer nicht abschätzen.

Anderthalb Wochen vor dem Bundesliga-Gipfel bei Borussia Dortmund, vor dem für den Tabellenführer aus München zunächst am Samstag das Heimspiel gegen Arminia Bielefeld ansteht, ist der Personalstand höchst beunruhigend. «Es kommt immer darauf an, wie es sich in Zukunft gestaltet. Wenn natürlich die Spieler weiterhin in Quarantäne müssen, wenn sie ungeimpft sind, dann hat das immer eine kleine Gefahr für die Saisonziele», sagte Nagelsmann.

Der 34-Jährige ließ anklingen, wie schwer die «Gratwanderung» für ihn als Trainer ist. Als Impfbefürworter habe er eine klare Meinung. Aber man müsse auch versuchen, die Meinung nicht geimpfter Spieler zu verstehen. Dazu gehe es um die Vorgaben des Vereins. Beides müsse man nach außen vertreten können. «In der Gemengelage versuche ich, so ein bisschen als Verbindungsglied zu wirken. Ich glaube, es klappt ganz gut – hoffe ich», sagte Nagelsmann zu seiner Schlüsselrolle.

Seine Ausführungen zum Thema Gehaltsverzicht legten nahe, dass die Quarantäne-Profis tatsächlich Einbußen hinnehmen mussten und müssen. «Ich glaube, bestrafen ist das falsche Wort in meinen Augen», sagte Nagelsmann. Er verwies auf das Arbeitsrecht. Der Arbeitgeber könne eben die Gehaltszahlung an den Arbeitnehmer stoppen, wenn dieser ungeimpft in Quarantäne sei und nicht arbeiten könne. «Das ist aber nichts Fußballspezifisches. Wenn die Zahnarzthelferin nicht geimpft ist und ausfällt, darf der Zahnarzt auch die Gehaltszahlung stoppen.»

Wichtig ist ihm, dass er am 4. Dezember beim BVB einen möglichst vollständigen Kader zur Verfügung hat. «Wir brauchen das komplette Personal, weil Dortmund uns alles abverlangen wird», hob er hervor.

Zunächst steht am Donnerstag die Jahreshauptversammlung an. Dann werden Vereinspräsident Herbert Hainer und Vorstandschef Oliver Kahn im Fokus stehen. Ein Reizthema: Katar. Zahlreiche Bayern-Fans stören sich wegen der umstrittenen Menschenrechtsfrage im Gastgeberland der nächsten Fußball-WM an der hoch dotierten Partnerschaft mit Qatar Airlines. «Das ist sicherlich ein komplexes Thema», sagte Hainer.

Er äußerte sich vorab auf der Bayern-Homepage: «Generell ist dazu zu sagen, dass wir uns einem Austausch mit Fakten und sachlichen Argumenten nicht verschließen – und der darf natürlich auch kritisch ausfallen.» Allerdings sei es den Vereinsbossen wichtig, «dass die Form immer gewahrt wird». Zuletzt wurden Kahn und auch Hainer direkt im Stadion via Transparent angegriffen. «Kontroversen halten wir als Verein auch grundsätzlich aus, sie gehören zu einem Diskurs wie allgemein zum Vereinsleben», sagte der Vereinspräsident.

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