Nationaltrainer Gordon Herbert (Deutschland) gibt seinem Team Anweisungen., © Daniel Löb/dpa

«Leidenschaft und Herz»: Festjahr endet mit WM-Ticket

Von einer WM-Traumreise nach Asien wollten Christian Sengfelder und Co. nach der gemeisterten Qualifikation noch nichts wissen. Stattdessen freute sich die rundum erneuerte Basketball-Nationalmannschaft über das vorzeitig erspielte WM-Ticket, das nach EM-Bronze im eigenen Land der nächste Höhepunkt eines fulminanten Jahres 2022 ist. «Dass wir es vorzeitig dingfest gemacht haben, ist natürlich super», sagte Sengfelder nach dem souveränen 94:80 am Freitagabend in Bamberg gegen Finnland. 

Während andere Nationen wie Serbien, Griechenland oder die Türkei hart um die Teilnahme kämpfen müssen, ist Deutschland sicher dabei, wenn vom 25. August bis 10. September 2023 in Japan, Indonesien und auf den Philippinen der nächste Weltmeister gesucht wird. In welchem der drei Länder das Nationalteam seine Vorrunde bestreiten wird, entscheidet sich allerdings erst bei der Auslosung im Frühjahr.

Großen Verdienst daran hat auch Gordon Herbert, der mit seinem Debütjahr als Bundestrainer in höchstem Maße zufrieden sein kann: die erste Medaille seit 17 Jahren und eine völlig problemlose Qualifikation sind Leistungen, auf die andere Topnationen derzeit mit Neid blicken. «Wir haben fast alles gewonnen, wir sind sehr gut durch die Qualifikation gegangen. Da kann man nur zufrieden sein. Das ist eigentlich auch noch mal eine Bestätigung nach EM-Bronze, dass Basketball einen Aufwind hat in Deutschland», sagte Präsident Ingo Weiss der Deutschen Presse-Agentur. Man habe mit «Leidenschaft und Herz» gespielt, fügte Herbert an.

Dabei hatte das Aufgebot, das die ebenfalls für die WM qualifizierten Finnen besiegte, nicht mehr viel mit dem Bronze-Team aus Berlin zu tun. Die NBA-Profis um Dennis Schröder und Franz Wagner verweilen wegen der Saison in den USA, auch die Euroleague-Akteure von Alba Berlin und dem FC Bayern München standen nicht zur Verfügung. Zudem waren weitere eigentlich verfügbare Spieler krank oder verletzt.

«Man muss den Spielern ein riesiges Lob aussprechen. Wir wollen immer besser werden. Wir haben eine großartige Gruppe an Spielern», sagte Herbert, der neben Sengfelder (19 Punkte) vor allem auf Aufbauspieler Justus Hollatz (18 Zähler/neun Vorlagen) bauen konnte. «Er ist ein großartiger Basketballer mit riesiger Zukunft», lobte Herbert seinen Point Guard, der bei der EM hinter Schröder und Maodo Lo kaum zum Einsatz gekommen war. Auch Lokalmatador Sengfelder sah in Hollatz den Schlüssel zum Erfolg: «Justus spielt überragend, er setzt die Spieler auf höchstem Level in Aktion.»

Kapitän Schröder, der nach der EM zu den Los Angeles Lakers wechselte, kämpft derzeit noch mit einer Daumenverletzung und schickte aus der Ferne seine Glückwünsche. «Let’s gooo Germany», schrieb er zu einem Post via Instagram. Wenn Schröder, Wagner und Co. im nächsten Sommer zurück sind, wird das Herbert-Team als Medaillenanwärter in das WM-Turnier starten. Nach dem desaströsen Vorrunden-Aus 2019 gibt es dann auch noch etwas gutzumachen.

Dass die WM-Qualifikation nicht selbstverständlich ist, zeigt ein Blick auf die jüngere Vergangenheit. 2010 war Deutschland erst via Wildcard dabei, 2014 klappte es mit der Teilnahme überhaupt nicht. Vor drei Jahren waren Schröder und Co. dann am Start, nach einer Vorrunden-Niederlage gegen die Dominikanische Republik schon nach zwei Partien aber raus. In den vergangenen zwei Jahren gibt es aber auch einen anderen Trend, den Deutschlands Basketballer gerne bestätigen möchten: 2021 erreichte man bei Olympia in Tokio das Viertelfinale, dieses Jahr bei der EM das Halbfinale. In einem großen Finale stand Deutschland seit Dirk Nowitzki im Jahr 2005 nicht mehr.