Ausstellung über die Verfolgung sogenannter Asozialer

«Ein unverbesserlicher Hetzer und Gegner alles dessen, was nationalsozialistisch ist» – so lautete 1935 die Begründung für die Einweisung von Jacob Haut ins Konzentrationslager Dachau. Der damals 33-jährige Schlosser hatte in seiner unterfränkischen Heimatgemeinde Kirchschönbach ein Transparent über die Dorfstraße gespannt. Die Aufschrift auf dem Bettlaken lautete: «Nur solange die Affen parieren», daneben waren die Porträts des Bürgermeisters sowie zweier weiterer NSDAP-Mitglieder aus dem Ort zu sehen. Das Schicksal von Jacob Haut, der 1942 im Konzentrationslager Neuengamme starb, greift eine Ausstellung auf, die bis zum 3. Juli im Hamburger Rathaus zu sehen ist.

Die Schau der KZ-Gedenkstätte Neuengamme thematisiert die Ausgrenzung und Verfolgung von Menschen, die im Nationalsozialismus als «Asoziale» galten: Obdach- und Erwerbslose, Bettler, Alkoholkranke und Prostituierte. Die Polizei konnte diese seit Ende 1937 ohne Gerichtsverfahren und zeitlich unbegrenzt in sogenannte Vorbeugehaft nehmen. In mehreren Verhaftungswellen seien reichsweit Zehntausende Menschen in die Konzentrationslager eingewiesen worden, erklärte die Gedenkstätte. In den Lagern wurden die Häftlinge mit einem schwarze Stoffwinkel auf ihrer Kleidung als «Asoziale» markiert.

Jacob Haut hatte sich geweigert, den Reichsarbeitsdienst zu leisten und war Aufforderungen zu Pflichtarbeiten nicht nachgekommen. Im Juni 1938 sei er im Zuge der Aktion «Arbeitsscheu Reich» erneut verhaftet worden, hieß es. Aus der KZ-Haft in Neuengamme schrieb er liebevolle Briefe an seine Frau und seine sechs Kinder. Er starb im April 1942 an einer Lungentuberkulose. Sein Enkel Raimund Haut (57) sagte nach Angaben der Gedenkstätte: «Mein Großvater war sehr liebevoll, vielfältig begabt und ausgesprochen mutig, als er sich den Nazis entgegengestellte. Was er bestimmt nicht war: asozial.»

Die Ausstellung «Arme und unangepasste Menschen im Nationalsozialistischen Hamburg» beleuchtet auch, welche Rolle Fürsorge, Wohlfahrtsanstalten und Polizei spielten und wie die Opfer, wenn sie überlebten, nach Ende des Nationalsozialismus weiter leiden mussten. «Entmündigungen und Zwangsunterbringungen blieben oftmals bis weit über 1945 hinaus in Kraft, manchmal bis zum Lebensende der Betroffenen», erklärte der Vorstand der Gedenkstätten-Stiftung, Prof. Detlef Garbe. Erst 2020 hatte der Bundestag diese Gruppe Verfolgter als NS-Opfer anerkannt.