Mehr Arbeitslose wegen Sommerpause und Ukraine-Krieg

Der Ukraine-Krieg hinterlässt Spuren auf dem bayerischen Arbeitsmarkt – allerdings keine großen. So stieg die Zahl der Arbeitslosen im August im Vergleich zum Vormonat um 5,9 Prozent auf 252.952, wie die Regionaldirektion Bayern der Bundesagentur für Arbeit am Mittwoch mitteilte. Die Arbeitslosenquote lag zum Stichtag 11. August bei 3,4 Prozent – 0,2 Punkte höher als im Juli. Der Anstieg ist den Fachleuten zufolge auf saisonübliche Effekte und arbeitslose Flüchtlinge aus der Ukraine zurückzuführen.

Die Arbeitslosenzahlen steigen in der Regel über den Sommer, weil Unternehmen vor den Ferien weniger einstellen und Ausbildungsverhältnisse enden. Auch im Juni und Juli hatten diese zugenommen. Im Vergleich zu vor einem Jahr ist die Arbeitslosigkeit im August im Freistaat nach Angaben der Regionaldirektion fast unverändert. Ohne die ukrainischen Arbeitslosen wäre diese um 29.766 zurückgegangen.

«Aktuell nehmen wir wahr, dass nach einem halben Jahr Krieg in der Ukraine der Zustrom an geflüchteten Menschen weniger wird. Dennoch wird Bayern für diese geflüchteten Menschen ein Zufluchtsort bleiben», sagte der stellvertretende Chef der Regionaldirektion, Klaus Beier. Ein Großteil von ihnen stehe dem Arbeitsmarkt noch nicht zur Verfügung, da diese erst die deutsche Sprache lernen müssten. Die ukrainischen Flüchtlinge erhalten inzwischen Grundsicherung und tauchen damit auch in der Arbeitslosenstatistik auf.

Eine positive Entwicklung sieht die Regionaldirektion bei den Langzeitarbeitslosen, deren Zahl im Vergleich zum Vorjahr zurückging. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten erhöhte sich nach den aktuellsten hochgerechneten Daten (Stand Juni) im Vergleich zum Vorjahresmonat um 2 Prozent auf 5,865 Millionen. Mit Ausnahme des Finanzsektors und der privaten Haushalte gebe es ein Plus in fast allen Branchen, sagte Beier.

Die Nachfrage nach Arbeitskräften befindet sich trotz der Energiekrise, Lieferengpässen und Materialmangel auf hohem Niveau. Im August waren 163.864 freie Stellen bei den Arbeitsagenturen und Jobcentern im Freistaat gemeldet. Zum Vergleich: Im August 2019 waren es 129.798. In vielen Branchen haben Betriebe nach Angaben der Vereinigung der bayerischen Wirtschaft wegen des Fach- und Arbeitskräftemangels Probleme, offene Stellen zu besetzen.

Regional entwickelte sich die Arbeitslosigkeit unterschiedlich: Die niedrigste Quote verzeichneten die Landkreise Günzburg und Main-Spessart mit 1,9 Prozent, gefolgt von Eichstätt und Unterallgäu mit 2 Prozent. Am höchsten lag die Quote in Schweinfurt mit 6,9 Prozent und Coburg mit 6,1 Prozent.