Christian Bale (l) als Burt, Margot Robbie als  Valerie und John David Washington als Harold in einer Szene des Films «Amsterdam»., © -/Walt Disney Company/dpa

«Amsterdam» mit Christian Bale und vielen Topstars

In den 1930er Jahren kam es in den USA zu einem unglaublichen faschistischen Polit-Komplott, das schwere Folgen hätte haben können. Basierend darauf hat Regisseur und Autor David O. Russell («Silver Linings», «American Hustle») seinen Film «Amsterdam» gedreht. Christian Bale, John David Washington und Margot Robbie spielen die Hauptrollen in dem Ensemble-Film, der eine Mischung aus Whodunnit und Politkrimi mit Elementen der Screwball-Komödie ist.

Im Jahr 1933 bittet der New Yorker Anwalt Harold Woodman (cool: Washington) seinen Freund und Arzt Burt Berendsen (aufgedreht: Bale mit Locken), mit dem er im 1. Weltkrieg in Frankreich stationiert war, eine Autopsie an Senator Meekins durchzuführen. Meekins war im Krieg der Kommandant ihres Regiments und starb unter mysteriösen Umständen. Tatsächlich findet Burt Gift im Magen des Senators. Als sie Meekins Tochter Elizabeth (Superstar Taylor Swift in einer Minirolle) treffen, kommt auch sie ums Leben – und Burt und Harold gelten auf einmal als Verdächtige.

Was dann folgt ist eine kuriose Verkettung von Ereignissen und Begegnungen mit Personen, mit deren Hilfe die Kriegsfreunde nicht nur ihre Unschuld beweisen wollen, sondern auch rauszufinden versuchen, wer oder was hinter all den Vorfällen steckt. Dabei taucht auch ihre enge Freundin Valerie (Margot Robbie) wieder auf, mit der Burt und Harold einst in Amsterdam glücklich zusammenlebten. Die lebenslustige Krankenschwester und Dadaismus-Künstlerin Valerie scheint sich auf merkwürdige Art verändert zu haben.

Akribische Arbeit an dem Film

«Amsterdam» basiert im Kern auf wahren Begebenheiten. Die Charaktere und ihre Erlebnisse sind jedoch größtenteils fiktiv. Man habe nicht nur die Geschichte erzählen wollen, sagte Hauptdarsteller Bale im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur in London. «Was den Film ausmacht, ist zu sehen, wie einfache Menschen mit so einer Situation umgehen», so der 48-Jährige. «Wir wollten Leute erschaffen, mit denen wir selbst gern rumhängen würden, deren beste Freunde wir sein wollen.» Die Stadt Amsterdam ist dabei auch ein Symbol für schöne Zeiten, für eine Flucht aus der tristen Kriegsatmosphäre.

US-Regisseur Russell ist als akribischer Filmemacher bekannt, der jedes Drehbuch bis ins letzte Detail ausarbeitet und mit seinen Stars ausgiebig über den Plot und über die Rollen diskutiert. «Es ist fünf oder sechs Jahre her, dass David mich dazu erstmals angerufen hat», erzählte Bale. Über Jahre arbeiteten Russell, der bereits fünfmal für einen Oscar nominiert war, und sein Topstar an dem Film.

«Ich habe einen großen Stapel Drehbücher», so Bale. «Es gab große Charaktere, die kamen und gingen, riesige Szenen und Motive, die drin waren und dann nicht mehr.» Und dennoch wirkt «Amsterdam» immer noch etwas überfrachtet mit langen Rückblicken und unzähligen Charakteren, von denen einige für die Handlung gar nicht relevant sind.

Andererseits machen die vielen Stars, die offensichtlich Spaß vor der Kamera hatten, «Amsterdam» recht unterhaltsam. «Vieles, was man auf der Leinwand sieht, ähnelt der Stimmung am Set», bestätigte Margot Robbie der Deutschen Presse-Agentur. «Es sind so viele große Persönlichkeiten, da ist es unmöglich, keinen Spaß zu haben, wenn die Kamera nicht läuft. Man wollte sogar am Set bleiben, wenn man gar keine Szene zu drehen hatte. Es war wunderbar.»

Christian Bale als humpelnder Veteran

Die hochkarätige und spielfreudige Besetzung umfasst in kleineren und größeren Rollen unter anderem Chris Rock, Michael Shannon, Zoe Saldana, Rami Malek, Alessandro Nivola, Anya Taylor-Joy und nicht zuletzt Robert De Niro. Herrlich komisch ist Mike Myers als britischer Agent Paul Canterbury. In der englischsprachigen Originalfassung brilliert der US-Komiker und «Austin Powers»-Star mal wieder mit britischem Akzent. Bale ist als humpelnder Kriegsveteran, der ein Glasauge trägt (wie schon in «The Big Short»), ebenfalls in Topform.

Doch leider ist der visuell großartige und mitunter sehr witzige Film trotz einiger gelungener Überraschungen etwas langatmig. Die Verschwörungsgeschichte ist zwar spannend. Aber «Amsterdam» mäandert gelegentlich vor sich hin. Aufgrund der vielen Details muss man als Zuschauer während der 135 Minuten gut aufpassen, nicht den Faden zu verlieren – oder die Geduld. Dass es in «Amsterdam» bei aller Komik auch um wichtige Aspekte wie den Umgang mit Rassismus und den Kampf um Gleichberechtigung geht, kann man dabei fast übersehen.