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Huber sagt Hilfen wegen Chemikalie im Trinkwasser zu

Altötting (dpa/lby) – Weil das Trinkwasser im Raum Altötting womöglich mit der krebserregenden Chemikalie PFOA belastet ist, hat Umweltminister Marcel Huber bei einem Besuch Hilfen angekündigt. So solle ein Aktivkohlefilter die Wasserversorgung der betroffenen Gemeinde Kastl ermöglichen. «Damit wird das gesamte Trinkwasser der Region den Leitwert für PFOA einhalten», sagte der CSU-Politiker am Freitag. Für Fragen von Kommunen und Bürgern werde eine gemeinsame Anlaufstelle an den Landesämtern für Umwelt sowie Gesundheit und Lebensmittelsicherheit eingerichtet. «Die neue Anlaufstelle wird als Ansprechpartner und Informationsdrehscheibe die zuständigen Behörden unterstützen und betroffenen Kommunen und Bürgern weiterhelfen.»

Rund hundert Bürger demonstrierten nach Angaben der «Bürgerinitiative Netzwerk Trinkwasser» für mehr Transparenz und sauberes Wasser. Sie verlangten, alle Messwerte offenzulegen etwa von Bodenproben aus dem Bereich der Firma, von der die Belastung mit Perfluoroctansäure (PFOA) ausgegangen war. Von Huber forderten sie: «Klares Wasser, klare Antworten». «Wie wirkt das Gift im Körper von uns Lebewesen? Wie wirkt es in kleinen Mengen, was ist mit Wechselwirkungen?», fragte Sprecher Frank Bremauer. «Wie können wir erreichen, dass die Behörden die Chemieindustrie wirksam kontrollieren?»

Die Regierung von Oberbayern werde Landratsamt und Gemeinden als Ansprechpartner unterstützen, sagte Huber. Eine Expertengruppe aus Ministerien und örtlichen Verantwortlichen solle offene Rechtsfragen klären. Darüber hinaus solle es eine Studie zur längerfristigen Konzeptionierung der Trinkwasserversorgung in der Region geben.

Wie das Landratsamt mitteilte, können stillende Mütter aus der Region sich nächste Woche anmelden und vom 19. bis 28. Juni Muttermilch zum Test auf PFOA abgeben. Zu Jahresbeginn hatten knapp 1000 Menschen freiwillig Blutproben abgegeben. Im Sommer soll es Ergebnisse geben.

Der Stoff PFOA, der nach Experteneinschätzung eine Reihe von Krankheiten wie Krebs begünstigen könnte, war 2016 in Blutspenden aus der Gegend festgestellt worden. Wegen der Belastung wurden inzwischen Trinkwasserbrunnen geschlossen und Aktivkohleanlagen eingebaut, um das Wasser zu reinigen. PFOA war bei Firmen im Chemiepark Gendorf in Burgkirchen an der Alz unweit von Altötting legal im Einsatz.