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Vom Fehleinkauf zum Hoffnungsträger: Hannovers Jonathas

Hannover (dpa/lni) – Er hat in den vergangenen zehn Jahren für elf verschiedene Vereine gespielt. Und er hat seinen Verein Hannover 96 einst die Rekordsumme von rund zehn Millionen Euro gekostet. Der Brasilianer Jonathas ist eine der schillernderen Figuren in der Fußball-Bundesliga. Erst recht, seit er Ende Januar auf einmal völlig überraschend aus seiner Heimat zum Tabellenvorletzten zurückkehrte.

Vor dem wichtigen Abstiegskampf-Duell beim FC Augsburg am Samstag (15.30 Uhr/Sky) hat der 30 Jahre alte Stürmer noch einmal eine weitere Entwicklung durchgemacht: Nach zwei Toren in den vergangenen beiden Spielen ist Jonathas vom viel belächelten Fehleinkauf zu so etwas wie einem Hoffnungsträger der 96er geworden. «Der Johnny weiß, wo das Tor steht», sagte Trainer Thomas Doll. «Man sieht, dass der Knoten geplatzt ist und dass er sich freier fühlt. Er ist jetzt ein ganz anderer Johnny.»

Jonathas selbst gab dem «Sportbuzzer» (Freitag) in dieser Woche sein erstes Interview seit der Rückkehr aus Brasilien. Und die Essenz ist: Der Brasilianer glaubt an seine Qualitäten und auch immer noch an den Klassenerhalt. «In unserer Situation ist jetzt jedes Spiel ein Finale – egal, ob auswärts oder zu Hause», sagte er über das Augsburg-Spiel. Trotz der miserablen Rückrunden-Bilanz von sieben Niederlagen in acht Spielen habe er auch «keine totale Verunsicherung bei der Mannschaft feststellen können. Das Team weiß genau, worum es geht.»

Und er selbst? Für ihn sei es aktuell trotz der heiklen sportlichen Situation einfacher als noch bei seiner ersten Ankunft in Hannover im Sommer 2017. «Ich weiß jetzt einfach besser, was mich erwartet», sagte Jonathas. Zweifel an seiner sportlichen Eignung im Abstiegskampf kontert er mit einem Verweis auf seine Bilanz bei 96: fünf Tore in 20 Bundesliga-Spielen. «Ich denke, die Quote spricht schon für mich», sagte der Brasilianer. «Ich bin mir sicher: Wenn ich öfter hätte spielen können, hätte ich auch mehr Tore gemacht.»

Jonathas‘ Karriere ist ein stetiges Auf und Ab. 2008 wechselte er zum ersten Mal nach Europa und unterschrieb einen Vertrag bei AZ Alkmaar in den Niederlanden. Danach folgten Stationen in Italien, Spanien und bei Rubin Kasan in Russland, ehe er nach dem Wiederaufstieg zum ersten Mal nach Hannover kam. Dort fing er stark an, baute stark ab und wechselte vor dieser Saison auf Leihbasis zu den Corinthians São Paulo. Aber auch ein seiner Heimat blieb er nur ein halbes Jahr.

«Als die Bundesliga 2018 in die Sommerpause ging, war ich noch verletzt», erklärte Jonathas. «Nach meinem Wechsel zu den Corinthians war der Club aber bereits im Spielbetrieb. Ich hatte dann meine Einsätze, vielleicht kamen die aber zu früh. Kleine Verletzungen haben mich dann immer wieder zurückgeworfen.»

Zurück in Hannover, attestieren ihm Trainer Doll und Manager Heldt mittlerweile eine gute Fitness und eine noch bessere Einstellung. «Er ist sehr bemüht und stellt sich anders dar als früher», sagte Heldt. «Wir sind darauf angewiesen, dass er auch weiterhin trifft.»

Falls das nicht reichen sollte, kann sich Jonathas sogar vorstellen, auch in der 2. Bundesliga für 96 zu spielen. «Fakt ist: Ich habe hier einen Vertrag bis 2020, gültig für die Erste und Zweite Liga», sagte er. «Es ist mein Anliegen, diesen Vertrag auch zu erfüllen.»