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47 000 Corona-Tests pro Tag: Bayerns Labore nicht am Limit

München (dpa/lby) – Im Gegensatz zu anderen Bundesländern gibt es in Bayern derzeit mit einer Auslastung von rund 60 Prozent noch keine Kapazitätsprobleme in den Corona-Testlaboren. Derzeit würden im Schnitt rund 47 000 Tests täglich durchgeführt, die Gesamtkapazität im Land betrage etwa 78 000 Tests, sagte Staatskanzleichef Florian Herrmann (CSU) am Dienstag nach einer Sitzung des Kabinetts in München. Der Freistaat setze daher weiter auf die bewährte, gut funktionierende und von der Bevölkerung akzeptierte Strategie mit kostenlosen Tests auch für Menschen ohne Symptome.

Rund 40 000 Tests davon könnten in privaten Laboren, 38 000 Tests in kommunalen Testzentren erfolgen, sagte Herrmann. Da die Zahl der Infektionen derzeit stark steige, steige in der Folge durch viele Nachverfolgungen der Kontaktpersonen auch die Zahl der Tests.

«Wir haben damit rechnerisch noch Kapazität nach oben», sagte Herrmann. Gleichwohl sei das Gesundheitsministerium nun beauftragt worden, landesweit zu evaluieren, wo dennoch einzelne Labore überlastet seien. «Wir nehmen die Laborsorgen sehr ernst, wir wollen auch keine Überforderung der Labors haben.»

Herrmann betonte, dass Bayern anders als jüngst vom Robert Koch-Institut (RKI) empfohlen, seine Teststrategie nicht grundlegend verändern werde. Es werde aber geprüft, wo etwa die neuen Schnelltests – beispielsweise bei Berufspendlern an den Grenzen – künftig eingesetzt werden könnten und in welchen Regionen die Testzentren zusätzliche Unterstützung brauchen. Zugleich werde auch genau geprüft, ob es Menschen gibt, die sich mehrfach pro Woche testen lassen und dadurch unnötig Testkapazitäten verbrauchten.

Berichte über Lieferengpässe bei Corona-Schnelltests konnte die Staatsregierung nicht bestätigen. Derzeit würden die vereinbarten rund 250 000 Tests pro Woche vertragsgemäß geliefert, hieß es.

Das RKI hatte jüngst wegen der vielerorts in Deutschland bestehenden Überlastung von Testlaboren eine deutliche Einschränkung von Corona-Tests empfohlen. Auch Personen mit Krankheitssymptomen sollen demnach erst getestet werden, wenn sich der Zustand auch nach einer mehrtägigen Selbstisolation nicht verbessert hat.

Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte die Empfehlung bereits am Montag scharf kritisiert. Er fürchtet, dass durch weniger Tests die Wirtschaft massiv gelähmt werde, weil Mitarbeiter ausfielen und Infektionen nicht schnell genug erkannt werden könnten.

Herrmann betonte ferner, dass die jüngsten Ankündigungen zur Zulassung eines Impfstoffes eine gute Nachricht seien. Gleichwohl sei aber die aktuelle Infektionslage nach wie vor sehr ernst und besorgniserregend. Landesweit wurden am Dienstag 2971 Neuinfektionen und 38 neue Todesfälle registriert. Um die Zahl zu senken sei es daher weiter notwendig, die für den November beschlossenen Maßnahmen zur Kontaktreduzierung konsequent umzusetzen.

Am Beispiel des Landkreises Berchtesgaden zeige sich, dass die Maßnahmen wirkten, es brauche aber immer auch die Geduld. «Es geht darum, dem Virus das Futter zu nehmen, was es benötigt, menschliche Kontakte», sagte Herrmann.

Nach Angaben von Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) gibt es auch bei der Behandlung von Covid-Patienten in bayerischen Kliniken aktuell keine Engpässe. Nur aus einzelnen Regionen wie dem Raum Augsburg hätten bisher Patienten in freie Betten verlegt werden müssen. 2140 Menschen würden deshalb derzeit landesweit in Krankenhäusern versorgt, davon 395 in Intensivbetten mit der Möglichkeit für eine künstliche Beatmung. Landesweit stünden weitere 672 freie Intensivbetten mit Beatmungstechnik bereit plus weitere Reserven, die aber erst aktiviert werden müssten.

Mit Blick auf die anstehenden Impfmöglichkeiten arbeite das Land eng mit den Kommunen zusammen, sagte Huml. Sobald der Bund die Impfstoffe bereitstellen könnte, würden diese von neun Verteilstellen im Land auf alle Kreise verteilt. Wie dies konkret passiere, hänge aber auch vom Impfstoff ab, da diese etwa unterschiedlich gekühlt gelagert und transportiert werden müssten.

Pro Kreis soll es dann ein Impfzentrum geben plus mobile Impfteams, um etwa Altenheime zu versorgen. Bei der Verteilung der Impfdosen folge das Land den wissenschaftlichen Empfehlungen – zunächst sollen auf freiwilliger Basis besonders gefährdete Personen, Ärzte, Pfleger und andere Menschen in systemrelevanten Berufen geimpft werden.