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Zehn Verletzte bei Explosion auf Raffinerie-Gelände

Vohburg an der Donau (dpa) – Bei einer Explosion und einem anschließenden Großbrand auf einem Raffinerie-Gelände im oberbayerischen Vohburg an der Donau sind mindestens zehn Menschen verletzt worden. Etwa 2000 Anwohner mussten am Samstag vorübergehend ihre Häuser und Wohnungen verlassen. Warum es am Morgen zu der Explosion kam, war zunächst unklar. Dichte dunkle Rauchschwaden hingen über dem Gelände, die Flammen waren weithin sichtbar, beißender Geruch lag in der Luft. Anwohner berichteten, der Knall am Morgen gegen 5.00 Uhr sei kilometerweit zu hören gewesen.

Auf dem Raffinerie-Gelände bot sich ein Bild der Verwüstung dar:  «Ganze Hauswände sind umgerissen worden», sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) bei einem Besuch in Vohburg. Auch die Bürogebäude auf dem Gelände wurden erheblich in Mitleidenschaft gezogen, beispielsweise begruben Mauerteile ein Auto unter sich. Gebäudeteile waren umhergeflogen. Die zehn Verletzten hielten sich zum Zeitpunkt der Explosion auf dem Firmengelände auf, einer von ihnen erlitt nach Herrmanns Worten schwere Verletzungen.

Nach einigen Stunden konnten die Menschen nach den Evakuierungsmaßnahmen auch wieder zurück in ihre Häuser und Wohnungen. Das Landratsamt Pfaffenhofen an der Ilm teilte mit, dass bei Messungen keine gesundheitsgefährdenden Stoffe im Rauch nachgewiesen worden waren.

Das Umweltministerium kündigte eine Prüfung an, ob der Brand und die Löscharbeiten Auswirkungen auf Mensch oder Umwelt haben. «Unsere für den Ernstfall gerüsteten Experten arbeiten mit Hochdruck daran, mögliche Folgen für Mensch und Natur aufzuklären und gegebenenfalls Maßnahmen einzuleiten. Nach jetzigem Stand besteht keine akute Gefahr mehr für die Bevölkerung», sagte Umweltminister Marcel Huber (CSU). Die Feuerwehr habe das Löschwasser aufgefangen und werde es umweltgerecht entsorgen.

Herrmann dankte den Rettungskräften für einen «reibungslosen» Einsatz. Bis zu 600 Einsatzkräfte waren alarmiert worden. In kürzester Zeit seien Hunderte von Helfern vor Ort gewesen, lobte der Innenminister. Angesichts der Schwere der Verwüstungen sei er froh, dass es keine Todesfälle zu beklagen gibt: «Gott sei Dank hat es keine Toten gegeben.»

Doch nicht nur auf dem Firmengelände, das zum Unternehmen Bayernoil, gehört, kam es zu Schäden – auch in den Wohngebieten gingen durch die Druckwelle Fensterscheiben zu Bruch oder fielen Ziegel von den Dächern. Es würden entsprechende Adressen genannt werden, bei denen betroffene Bürger ihre Schäden melden können, kündigte Herrmann an. Jeder könne sich darauf verlassen, dass die Schäden ausgeglichen würden.

Bayernoil veröffentlichte am Samstag auf seiner Internet-Seite entsprechende Kontaktdaten. Zu den Schäden auf dem Gelände selbst teilte das Unternehmen mit: «Die ersten Sachverständigen sind vor Ort zur Begutachtung der Schäden.»

Die Ermittlungen zur Brandursache haben die Kripo Ingolstadt und Experten des Landeskriminalamts (LKA) übernommen. Auch mehrere Stunden nach der Explosion brannte es noch auf dem Gelände. Es handele sich aber um kontrollierte Brände, teilte die Polizei mit. Der Einsatz werde sich noch bis in die Abendstunden hinziehen.

Nach Unternehmensangaben ging die Vohburger Raffinerie 1967 in Betrieb. Das Gelände ist knapp 130 Hektar groß und liegt an der Donau. Die Raffinerie bekommt ihr Rohöl über die Transalpine Pipeline (TAL) aus Triest in Italien. In Vohburg wird es dann weiterverarbeitet – etwa zu Benzin, Dieselkraftstoff, Heizöl, Kerosin, Bitumen und Schwefel. In Vohburg und am zweiten Standort Neustadt an der Donau werden 10,3 Millionen Tonnen Rohöl jährlich aufbereitet.