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150 Rinder verendet: Vorwürfe gegen Landwirt

Rothenburg ob der Tauber (dpa/lby) – Qualvoll sind etwa 150 Rinder im Stall eines Mastbetriebs verendet. Die Polizei verdächtigt den Landwirt, sich nicht ordentlich um die Tiere gekümmert zu haben. «Wir gehen davon aus, dass die Tiere über einen längeren Zeitraum nicht versorgt wurden», sagte Michael Petzold vom Polizeipräsidium Mittelfranken in Nürnberg am Dienstag. «Fakt ist, dass die Tiere extrem vernachlässigt waren.»

Die Polizei ermittelt gegen den Landwirt im Umland von Rothenburg ob der Tauber wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) reagierte entsetzt auf den Tod der Rinder. «Ich bin fassungslos, dass so etwas passieren kann», teilte sie mit. «Der Vorgang muss umfassend aufgeklärt und hier ein Tierhaltungsverbot ausgesprochen werden.»

Die SPD-Fraktion im bayerischen Landtag fordert angesichts dieses neuen Falls bessere und gezieltere Kontrollen, um solche Missstände bei der Tierhaltung zu verhindern. «Das beweist, dass die Staatsregierung noch immer nicht gut genug kontrolliert, obwohl mittlerweile jährlich ein Skandal dieses Ausmaßes auftritt», teilte die agrarpolitische Sprecherin Ruth Müller mit.

Bayerns Verbraucherschutzminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) sagte, Verstöße gegen den Tierschutz seien nicht hinnehmbar und müssten Konsequenzen haben. «Es braucht jetzt umfassende Aufklärung durch die Ermittlungsbehörden.» Das Ministerium hat nach Angaben eines Sprechers einen Bericht von den Behörden vor Ort angefordert, die für die Kontrollen, aber auch die Sanktionen zuständig seien.

In diesem Fall sind das das Landratsamt und das Veterinäramt in Ansbach. Der betroffene Betrieb sei 2017 und 2018 zum letzten Mal kontrolliert worden, sagte die Sprecherin des Landratsamtes, Josephine Georgi. Tierschutzverstöße seien nicht festgestellt worden, der Stall sei in gutem Zustand gewesen, Futter ausreichend vorhanden.

Es gebe keine gesetzliche Vorgaben, in welchen Abständen Vieh-Betriebe kontrolliert werden müssten, erläuterte die Sprecherin. Diese werden anlass- und risikobezogen durchgeführt. Einen festen Turnus – zum Beispiel jährlich – könnte das Veterinäramt nicht leisten.

Die Polizei hatte am Pfingstsonntag einen anonymen Hinweis bekommen und den Hof kontrolliert. Im Stall bot sich den Beatmen ein erschreckender Anblick: Zwischen den vielen toten Rindern befanden sich auch noch etwa 50 lebende. Man versuche nun, diese wieder aufzupäppeln, sagte Petzold. Diese seien aber in einem desolaten Zustand. Es sei deshalb nicht ausgeschlossen, dass weitere sterben.

Wieso das Elend der Rinder erst jetzt bekannt wurde, war zunächst unklar. Der Mastbetrieb liegt in einer dünn besiedelten Region, die stark ländlich geprägt ist. Der Betrieb liegt eher alleinstehend, so dass sterbende oder tote Tiere nicht unbedingt auffallen mussten, sagte Georgi.

Wieso und wie lange die Rinder schon vernachlässigt wurden, wollen die Ermittler jetzt klären. Dabei arbeiten sie mit der Staatsanwaltschaft, dem Landratsamt und dem Veterinäramt zusammen. Die toten Rinder wurden nach Angaben des Landratsamtes abtransportiert, die übrigen werden auf dem Hof versorgt und von Tiermedizinern überwacht.

Erst im vergangenen Jahr hatten Videoaufnahmen von misshandelten Kühen viele Menschen in Bayern erschüttert. Die Aufnahmen lösten den sogenannten Allgäuer Tierschutz-Skandal aus. Zu sehen war dort unter anderem, wie Kühe getreten und geschlagen oder mit einem Traktor durch einen Stall geschleift werden.

Mehrere Höfe aus dem Allgäu gerieten daraufhin in den Fokus von Kontrollbehörden und Ermittlern. Die Staatsanwaltschaft ermittelte gegen Verantwortliche mehrerer Betriebe und erhob erste Anklagen. Die Prozesse haben allerdings noch nicht begonnen.

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