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101 Jahre Coburg: Staatsakt mit einem Jahr Verspätung

Coburg (dpa/lby) – Mit einem Jahr Verspätung hat sich die Stadt Coburg noch einmal selbst gefeiert. 1920 trat der Freistaat Coburg dem Freistaat Bayern bei. Der im vergangenen Jahr wegen der Corona-Krise ausgefallene Staatsakt zum «Hundertjährigen» wurde am Freitag nachgeholt. «Diese Liaison, diese Verbindung hat sich als sehr, sehr positiv erwiesen: gut für Bayern und gut für Coburg», sagte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) vor den Feierlichkeiten.

Seit dem 1. Juli 1920 gilt der «Staatsvertrag zwischen den Freistaaten Bayern und Coburg über die Vereinigung Coburg’s mit Bayern». «Der Freistaat Coburg hat zu existieren aufgehört – es lebe Bayern!», verkündete der Landtagspräsident in Coburg damals.

Nach der Auflösung der Monarchie hatte sich 1918 der Freistaat Coburg gegründet – mit einer Fläche von 562 Quadratkilometern und gerade einmal 74.000 Einwohnern kaum überlebensfähig. Coburg hätte damals auch thüringisch werden können. Doch das Land Thüringen, das selbst gerade erst im Entstehen war, räumte den Coburgern keine Zugeständnisse ein. «Wir Coburger wollen nicht zu Thüringen! Wir wollen nach Bayern!», hieß es in Lokalzeitungen.

Bei einem Volksentscheid am 30. November 1919 stimmten fast 90 Prozent der Coburger gegen einen Beitritt zu Thüringen – und damit indirekt für weitere Verhandlungen mit Bayern. Söder sagte am Freitag, die Coburger seien die jüngsten und «freiwilligsten» Bayern.

Mit dem Freistaat Bayern handelten die Coburger zahlreiche Sonderrechte aus, die bis heute gültig sind: Neben einem eigenen Landgericht, dem Erhalt der Handels- und Handwerkskammern, der vier Gymnasien und der Coburger Landesstiftung garantierte der Staatsvertrag auch den Fortbestand des Landestheaters, des Krankenhauses und eine deutliche Verbesserung der verkehrstechnischen Anbindung.

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