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1. FC Nürnberg holt ersten Bundesligasieg gegen Hannover 96

Nürnberg (dpa) – Die Erleichterung bei Rückkehrer 1. FC Nürnberg um seinen Jungstürmer Törles Knöll nach dem ersten Bundesligasieg in dieser Saison war riesig. Der fränkische Aufsteiger erkämpfte sich in einem Duell mit Videoaufregern und 60 Minuten in Überzahl ein 2:0 (0:0) gegen das immer noch sieglose Hannover 96. Gerade einmal drei Minuten nach seiner Einwechslung zwang Knöll 96-Kapitän Waldemar Anton (76.) mit einem wuchtigen Schuss zu einem Eigentor. Nur Sekunden später erhöhte der 21 Jahre alte Neuzugang vom Hamburger SV vor 36 736 Zuschauern noch auf 2:0.

«Ich bin superglücklich und dankbar, dass ich das Vertrauen vom Trainer bekommen habe», sagte die heisere Nachwuchshoffnung und widmete seinen Treffer seinem vor einigen Wochen verstorbenen Opa. «Ich weiß, dass er zugeschaut hat und ich ihm so zurückgeben konnte, was er alles für mich getan hat.»

Nach einer umstrittenen Roten Karte wegen einer Notbremse für Verteidiger Miiko Albornoz (29. Minute) hatte der «Club» lange in Überzahl gespielt und sich am Ende auch den ersten Bundesligasieg nach viereinhalb Jahren verdient. Der letzte Dreier der Franken im Oberhaus hatte bis dato vom 26. März 2014 gegen den VfB Stuttgart (2:0) datiert. «So wie die Mannschaft über 90 Minuten unterwegs war, war es am Ende ein sehr, sehr verdienter Sieg», bilanzierte Trainer Michael Köllner nach dem wichtigen Erfolg.

Die Hannoveraner warten nach dem vierten Spieltag indes noch immer auf den ersten Bundesligasieg und kassierten ihre erste Niederlage gegen den FCN nach zuvor sieben ungeschlagenen Partien. Trainer André Breitenreiter kritisierte den bis zur Roten Karte pomadigen Auftritt seines Teams, wertete den Platzverweis aber als Fehlentscheidung.

Nach dem Last-Minute-Ausgleich gegen Werder Bremen belohnte Coach Köllner Torschütze Virgil Misidjan mit dessen Startelfdebüt für die Franken – und der Niederländer stand am Samstag gleich mehrere Male im Fokus. Dafür musste der Brasilianer Matheus Pereira zunächst auf die Bank. Breitenreiter gab nach dem 2:3 gegen RB Leipzig Bobby Wood und Genki Haraguchi eine Chance von Beginn an.

Nachdem die Nürnberger in dieser Saison jeweils ein Gegentor in der 25., 26. und 27. Minute kassiert hatten, überstanden sie diesmal diese heikle Phase. Ordentlich Wirbel gab es trotzdem. Erst wurde der vermeintliche Führungstreffer von Mikael Ishak (25.), der einen Abpraller von Misidjan im Nachschuss verwertete, nach Videobeweis wegen Abseitsposition aberkannt. Dann lief Misidjan alleine auf Hannovers Torwart Michael Esser zu und kam am Strafraum zu Fall.

Ein Pfiff blieb zunächst aus, Schiedsrichter Bastian Dankert hielt dann aber doch Rücksprache mit dem Videoassistenten. Das Ergebnis: Rote Karte wegen Notbremse für Hannovers Albornoz und Freistoß. Der Chilene hatte Misidjan aber nur zaghaft an die Schulter gegriffen. Der Freistoß von Tim Leibold (30.) wurde noch abgefälscht und landete am rechten Pfosten. Die Nürnberger um den bei Standards gefährlichen Enrico Valentini suchten weiter den Vorwärtsgang, blieben aber gegen dezimierte Niedersachsen im Abschluss zu harmlos. Misidjan (37.) scheiterte vor der Halbzeit alleine vor Esser.

Trotz Unterzahl kamen die Hannoveraner mutig aus der Kabine und suchten ihre Chance. Nürnbergs Torwart Fabian Bredlow war aber auch bei einem Schuss des früheren «Club»-Stürmers Niclas Füllkrug (54.) auf dem Posten. Vier Minuten später tobte Köllner erneut an der Seitenlinie, nachdem Yuya Kubo im Strafraum von 96 zu Fall kam. Dankert entschied aber nicht auf Foulelfmeter.

Dem Aufsteiger aus Franken fehlte weiter in der Offensive die klare Linie, nicht zwingend genug trat er vorne auf. Entschlossen war dagegen Füllkrug an alter Wirkungsstätte, als er einen Schuss (72.) an die Latte hämmerte. Dann hatte Knöll seinen Auftritt. Drei Minuten nach dessen Einwechslung lenkte Anton den Schuss unglücklich ins eigene Tor ab, nachdem Hanno Behrens an den linken Pfosten geköpft hatte. Nur Sekunden später versenkte Knöll nach einer optimalen Vorlage von Ishak zum 2:0 für glückliche Hausherren.