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Arbeitslosenzahl in Bayern sinkt auf Rekordtief

Nürnberg (dpa/lby) – Der Winter hat die Zahl der Arbeitslosen in Bayern steigen lassen – aber längst nicht so stark wie im Vorjahr. Im Dezember waren im Freistaat rund 213 600 Männer und Frauen ohne Job – im Vergleich zum Vormonat waren das zwar rund 5100 mehr. Dennoch war die Arbeitslosenquote mit aktuell 2,9 Prozent um 0,4 Prozentpunkte niedriger als vor einem Jahr, wie die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit am Mittwoch in Nürnberg mitteilte.

Arbeitsministerin Emilia Müller (CSU) sprach von einem Rekordwert im Freistaat: «Noch nie seit den 1990er Jahren war die Situation im Dezember besser.» Trotz des saisonal üblichen Anstiegs im Winter bleibe die Vollbeschäftigung erhalten.

Gerade in Außenberufen wie auf dem Bau, in Gärtnereien und der Landwirtschaft stellen Betriebe in der kalten Jahreszeit zögerlich neue Arbeitskräfte ein, manche bauen sogar vorübergehend Jobs ab. Der bayerische Arbeitsmarkt zeige jedoch eine «konstant gute Entwicklung», die sich auch im Geschäftsklima der gewerblichen Wirtschaft widerspiegele, betonte der Chef der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit, Ralf Holtzwart.

Von der guten Lage profitieren in fast allen Regierungsbezirken vor allem junge Leute – im Vergleich zum Vorjahr war die Arbeitslosigkeit aber mit Ausnahme von Niederbayern im Dezember in allen Altersgruppen rückläufig. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten lag zuletzt bei über 5,5 Millionen und bleibt damit auf Rekordkurs.

Holtzwart berichtete von einer rasant steigenden Nachfrage nach Fachkräften. Seit Jahresbeginn wurden rund 385 500 und damit 4,5 Prozent mehr Stellen im Freistaat gemeldet als im Vorjahr. Vor allem in der Metall- und Elektroindustrie sowie Stahlindustrie, in der Sparte Information und Kommunikation sowie in freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen suchten Firmen nach qualifiziertem Personal.

Gerade den steigenden Fachkräftebedarf sieht Holtzwart als eine große Herausforderung im neuen Jahr. Es gelte, passgenaue Lösungen für Arbeitgeber zu entwickeln und dabei vor allem Menschen eine Chance zu bieten, die mit Hindernissen in den Arbeitsmarkt starteten. Im Blick hat die Regionaldirektion die Langzeitarbeitslosen. Deren Zahl sei zwar um 11,7 Prozent im Vergleich zum Dezember 2016 auf nun 50 980 gesunken – ein überdurchschnittlicher Rückgang. Doch habe im Dezember 2017 nur jeder Zehnte aus Langzeitarbeitslosigkeit herausgefunden, hieß es.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund attestierte dem Arbeitsmarkt in Bayern eine gute Verfassung, beklagte aber einen hohen Anteil von sogenannter atypischer Beschäftigung. Viele arbeiteten unfreiwillig in Teilzeit oder hätten nur befristete Stellen und verspürten daher eine enorme Unsicherheit, monierte der bayerische DGB-Chef Matthias Jena. Gerade der steigende Fachkräftebedarf erfordere ein Umdenken der Arbeitgeber – denn mit unsicheren Bedingungen könnten Fachkräfte weder gewonnen noch gebunden werden.

Der Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft, Bertram Brossardt, forderte einen «noch deutlicheren Fokus auf die Fachkräftesicherung». Die Politik müsse rasch eine handlungsfähige Bundesregierung bilden, die die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands stärke. Brossardt forderte zudem stabile Lohnzusatzkosten und eine Abkehr von der Idee einer Bürgerversicherung und einer Solidarrente. Bayern könne auch 2018 Jobmotor bleiben – sofern sich der «Faktor Arbeit nicht verteuert».