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Massive Warnstreiks treffen Familien und Reisende

München (dpa/lby) – Der Tarifkampf im öffentlichen Dienst stellt den Alltag unzähliger Menschen auch in Bayern auf den Kopf. Kita zu, Hallenbad zu, Theater zu und keine Müllabfuhr – am Dienstag traf es Südbayern und da vor allem München. Der Flughafen musste 400 Flüge streichen. Am Mittwoch ist Nordbayern dran.

Die Gewerkschaft Verdi fordert für die bundesweit 2,3 Millionen Beschäftigten von Kommunen und Bund sechs Prozent mehr Lohn, mindestens aber 200 Euro pro Monat. Die dritte Verhandlungsrunde beginnt am Sonntag in Potsdam. Der stellvertretende bayerische Verdi-Chef Norbert Flach sagte bei einer Kundgebung mit 7000 Teilnehmern auf dem Münchner Marienplatz, die Warnstreiks von mehr als 8000 Beschäftigten in Südbayern sei «ein starkes Signal nach Potsdam». Es sei unanständig, Beschäftigte «so schlecht zu bezahlen, dass sie kaum ihren Lebensunterhalt bezahlen können».

Am heftigsten traf es am Dienstag den Münchner Flughafen, wo rund 500 Mitarbeiter der Gepäckabfertigung, der Sicherheitsgesellschaft und der Flughafenfeuerwehr am Morgen in einen ganztägigen Warnstreik traten. Eine der beiden Start- und Landebahnen wurde geschlossen und ein Drittel der geplanten 1200 Flüge wurde gestrichen, wie ein Flughafensprecher sagte.

Außerdem wurden Hunderte Kitas bestreikt – allein in München sei mehr als die Hälfte der 450 städtischen Kindergärten geschlossen worden, sagten Gewerkschaftssprecher. In der Landeshauptstadt wurden auch drei städtische Kliniken, vier Hallenbäder und die Kammerspiele bestreikt. In München und in Augsburg fiel die Müllabfuhr größtenteils aus. In der schwäbischen Großstadt blieben auch Bürgerbüros und zwei Hallenbäder geschlossen.

Kliniken in Rosenheim, Berchtesgaden, Bad Reichenhall, Traunstein, Trostberg, Traunreut, Bad Aibling, Wasserburg und Tegernsee waren ebenfalls betroffen. In Bad Reichenhall wurde der Bauhof bestreikt. «Es geht quer durch alle Bereiche der Kommunen und der Bundesbehörden», sagte Verdi-Sprecher Sterr.

Der Präsident der kommunalen Arbeitgeberverbände, der Chef des Münchner Kreisverwaltungsreferats Thomas Böhle, hatte die Warnstreiks als pure «Öffentlichkeitsarbeit der Gewerkschaften in eigener Sache» kritisiert, weil ein Abschluss in Potsdam möglich sei. Der «Konflikt setzt weniger die Arbeitgeberseite unter Druck als die Bevölkerung».

Am Mittwoch will die Gewerkschaft in Würzburg sämtliche Straßenbahnen ganztägig ausfallen lassen. Omnibusse sollen hingegen fahrplanmäßig verkehren. In den anderen bayerischen Städten fallen Bus und Bahn nicht unter den Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes. In Würzburg sollen auch Stadtreinigung und Theater bestreikt werden.

In Nürnberg dürfte es wegen einer geplanten Großkundgebung zu Verkehrsbehinderungen kommen – dort werden ebenfalls 7000 Streikteilnehmer erwartet. Vielen Kindergärten in mehreren Städten sollen geschlossen bleiben, hie und da sollen Notbetreuungen angeboten werden. Kliniken werden ebenfalls betroffen sein.